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Will seine VW-Anteile abstoßen: der frühere VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch. Foto: Andreas Gebert/Archiv

Früherer VW-Aufsichtsratschef

Piëch will letzten Einfluss auf VW abgeben

Einst war Ferdinand Piëch der wichtigste Mann im VW-Konzern, er hatte den Autobauer seit den 1990er Jahren groß gemacht. Nach einem beispiellosen Machtverlust will der "Alte" nun einen beträchtlichen Teil seiner Aktien loswerden. Zieht er sich ganz zurück?

Stuttgart/Wolfsburg (dpa) - Der frühere VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch will seine verbliebene Macht über Europas größten Autobauer abgeben.

Wie die Beteiligungsgesellschaft Porsche SE (PSE) am Freitag als Hauptaktionärin von Volkswagen mitteilte, führen die Familien Porsche und Piëch entsprechende Verhandlungen über eine Übertragung eines "wesentlichen Anteils" der gehaltenen Stammaktien an der PSE. Zuvor hatte der "Spiegel" über einen möglichen Ausstieg Piëchs berichtet.

Piëch, der am 17. April 80 Jahre alt wird, hält 14,7 Prozent der Stammaktien an der PSE. Dieses Paket hatte am Freitag insgesamt einen Wert von gut einer Milliarde Euro. Piëch war bis April 2015 langjähriger VW-Aufsichtsratschef und galt als mächtigster Mann bei Volkswagen. Er trat nach einem internen Machtkampf mit dem damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn von fast allen Ämtern zurück und blieb am Ende lediglich Aufsichtsrat bei der Porsche SE.

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Piëch diesen letzten Posten im Konzern verlieren könnte. Die Familien Porsche und Piëch hätten sich darauf geeinigt, den 79-Jährigen im Zuge einer Umstrukturierung des Kontrollgremiums der Porsche SE zu entmachten und ihm sein Aufsichtsratsmandat zu entziehen, schrieb die "Bild am Sonntag".

Die Porsche SE ist eine reine Beteiligungsgesellschaft und besitzt rund 52 Prozent der Stimmrechte an VW. Der reine Kapitalanteil an Volkswagen liegt bei knapp 31 Prozent.

Zuletzt hatten bei der Aufarbeitung des VW-Diesel-Skandals angebliche Anschuldigungen Piëchs für Aufsehen gesorgt. Demnach soll der frühere VW-Aufsichtsratschef Mitgliedern des Aufsichtsratspräsidiums wie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Betriebsratschef Bernd Osterloh und auch seinem Cousin Wolfgang Porsche vorgeworfen haben, früher als bisher bekannt über einen Verdacht auf Abgas-Manipulationen in den USA Bescheid gewusst zu haben.

Diese hatten das scharf zurückgewiesen. Wolfgang Porsche sagte zuletzt beim Automobilsalon in Genf, er selbst werde in dieser Sache nichts unternehmen. Familie könne man sich nicht aussuchen.

Experten reagierten überrascht auf die Ankündigung des Verkaufs. "Finanziell gesehen ist der Zeitpunkt zum Verkauf nicht ideal - der Börsenkurs von VW ist noch immer belastet durch das Dieselthema", sagte Willi Diez vom Geislinger Institut für Automobilwirtschaft. "Die operativen Ergebnisse von VW sind gut, daher könnte sich der Kurs in nächster Zeit erholen." Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach sagte: "Für Volkswagen bricht jetzt eine völlig neue Ära an."

Ferdinand Dudenhöffer vom Duisburger Center Automotive Research äußerte Zweifel, ob die Mitglieder der Familien Porsche und Piëch die Übernahme des Großteils des milliardenschweren Aktienpakets finanziell überhaupt stemmen können. Daher könnte der Verkauf auch eine Chance etwa für industrielle Investoren aus China sein. Wolfgang Porsche hatte allerdings erst kürzlich in Genf betont, dass die Familien auch künftig allein das Sagen haben wollen bei der PSE.

Das Land Niedersachsen wiederum ist Großaktionär bei Volkswagen. Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) äußerte sich am Freitag gelassen über die Verkaufsankündigung bei der Porsche SE: "Für uns ändert sich an den Mehrheitsverhältnissen ja nichts." Er gehe davon aus, dass die Familien Piëch und Porsche das unter sich ausmachen werden.

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