Piëch: Nichts gewusst, nichts gemerkt

Braunschweig - Der frühere VW-Vorstandschef Ferdinand Piëch trat als Zeuge im Prozess um den VW-Skandal auf. Von Lustreisen und Sonderbonuszahlungen will er nichts gewusst haben.

Am Ende musste der mächtige VW-Patriarch Ferdinand Piëch sich doch beugen. "Vielleicht schauen Sie doch noch mal drauf?", forderte die Vorsitzende Richterin Gerstin Dreyer den 70-Jährigen auf, der als Zeuge im Prozess um den VW-Korruptionsskandal am Eichentisch im Braunschweiger Landgericht Platz genommen hatte. Piëch sollte seine Unterschrift unter einem Brief identifizieren. "Nein", erklärte Piëch. "Doch", beharrte die Richterin und Piëchs Anwalt musste zum Richtertisch und den Brief abholen. "Das ist sicher meine Unterschrift", räumte Piëch dann ein.

Es blieb das einzige Mal, dass Piëch im Gerichtssaal unter Druck geriet. Ansonsten hielt er sich an bekannte Aussagen: nichts gewusst, nichts gemerkt, nichts veranlasst. Erst nach der Aufzählung seiner Leistungen kam Piëch auf die Vorwürfe zu sprechen: Das berüchtigte Spesenkonto 1860, über das der Angeklagte Klaus-Joachim Gebauer die Party-Spesen des Betriebsrates abrechnete? "Habe mich nicht mit dem Konto beschäftigt." Lust-Reisen des Betriebsrates? "Keine Kenntnis davon."

Gebauer hatte mit seinen Spesen laut Anklage einen Schaden von 1,3 Millionen Euro angerichtet. "Ich kann Ihnen sagen, dass sich ein Vorstandsvorsitzender um Dinge dieser Größenordnung nicht kümmert", sagte Piëch.

Alle Vermutungen, wonach Piëch möglicherweise doch mehr gewusst haben könnte als bisher eingeräumt, wies der Österreicher zurück. Mit umstrittenen Sonderbonuszahlungen an den angeklagten früheren VW-Betriebsratschef Volkert hatte Piëch nach eigenen Angaben auch nichts zu tun: "Irgendwelche konkreten Zusagen zu Bezügen des Betriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert habe ich zu keinem Zeitpunkt gemacht." Es könne sein, dass ihn VW-Personalchef Peter Hartz angesprochen habe, um Volkert wie einen leitenden Angestellten zu bezahlen. Betriebsrats-Entlohnung sei "nicht meine Zuständigkeit" gewesen.

Damit sind nach Überzeugung der Verteidiger die Vorwürfe zusammengebrochen. Piëch sagte aus, nach den VW-Spesenrichtlinien hätten stets zwei Personen die Abrechnungen kontrollieren müssen. Das aber sei bei Gebauer so nicht geschehen, sagte sein Anwalt Wolfgang Kubicki.

Volkert-Anwalt Johann Schwenn erklärte, der Vorwurf der Anstiftung zur Untreue gegen seinen Mandanten sei nach der Aussage nicht haltbar. Volkert sei "kein Vermögensschaden" bei VW vorzuwerfen. Piëch zufolge habe sich das Unternehmen in den 90er-Jahren exzellent entwickelt. Den zweiten Anklagepunkt gegen Volkert, Anstiftung zur Untreue wegen zwei Millionen Euro Sonderboni, hält Schwenn schon seit der Aussage von Hartz für erledigt: Hartz hatte ausgesagt, er habe die Idee zu den Sonderboni alleine gehabt.

So zeichnen sich milde Urteile gegen die Angeklagten ab. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Joachim Geyer meinte schon, es müsse geprüft werden, ob bei Volkert der Vorwurf der Anstiftung zur Untreue aufrechterhalten werden könne. Und Gebauer-Anwalt Kubicki will einen Freispruch.

Der stärkste Mann bei VW hätte durchgegriffen, versicherte er vor Gericht: "Dass es bei Volkswagen zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, verwerfe ich sehr", sagte Piëch. "Wäre es mir zu Ohren gekommen, hätte ich es vehement verfolgt und abgestellt."

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