Vier Tage vor Anschlag: Attentäter flog von Düsseldorf nach Manchester

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VW-Chef Martin Winterkorn wollte Porsche ins VW-Reich eingliedern. Juristische Hürden zögerten das immer wieder hinaus. Doch zum 1. August soll der integrierte Autokonzern starten. Foto. dap

Piëchs Auto-Imperium ist nun komplett

Wolfsburg - Volkswagen hat Porsche nun eher übernommen als geplant. Doch das Ergebnis zementiert die Macht der bisherigen Porsche-Eigentümer-Familien im Gesamtkonzern.

Martin Winterkorn war die Erleichterung anzusehen: „Volkswagen und Porsche gehören zusammen“, sagte der Vorstandsvorsitzende von VW, als ob es daran in den letzten Jahren noch ernsthafte Zweifel gegeben hätte. Doch zuletzt waren es juristische Fallstricke, die den bereits für 2011 geplanten integrierten Konzern immer weiter verzögert hatten. Für Paragraphen-Klauberei und ihre Folgen fehlt dem stets ungeduldigen Ingenieur Winterkorn der Sinn.

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Für solche Dinge gibt es VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch, der vielleicht mit einer kaum merklichen Bewegung der Mundwinkel verrät, dass er zufrieden ist, mit dem, was er und sein Team in den letzten Monaten geleistet haben – und wofür ihn jetzt auch Winterkorn lobte. Die juristischen Hürden sind umschifft. Weil sich eine steuerliche Detailfrage (siehe Kasten) zugunsten von VW entwickelte, geht nun alles zwei Jahre früher über die Bühne, als zu befürchten war. Gestern war der Handel perfekt.

Nun müsse, wenn Audi-Ingenieure mit ihren Kollegen von Porsche über eine Sache verhandeln, dafür nicht mehr gleich ein Vertrag geschlossen werden, sagt Winterkorn. „Die Zusammenarbeit wird einfacher, schneller und wirtschaftlicher.“ „Ganz neue Wachstumschancen“ für das Unternehmen sieht er nun. Pötsch fasst das in Zahlen: 700 Millionen Euro Synergien, hat er errechnet, spart sich der Konzern jetzt jedes Jahr. „Wir sind am Ziel“, sagt er.

Mit dem Abschluss der Transaktion gehört auch ein Kapitel ins Reich der Geschichte, in dem Winterkorn unter die Räder zu geraten drohte: 2008 kristallisierte sich heraus, dass die Aktienkäufe, die der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking heimlich und geschickt vorantrieb, eine Machtübernahme in Wolfsburg zum Ziel hatten. In Stuttgart sammelte er Getreue um sich, die bereits feste Aufgaben als Aufpasser in Wolfsburg zugeteilt bekamen.

Banken, Politik und nicht zuletzt der Porsche-Großaktionär und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch vereitelten den Coup. Der Porsche-Chef musste abtreten.

Piëch ist neben Winterkorn der eigentliche Gewinner. Seine Macht als Aufsichtsratschef stützt sich nicht mehr nur auf seinen Ruf als legendärer VW-Manager. Sie basiert nun auch auf dem 50-Prozent-Aktienpaket an Volkswagen, das die Familien Piëch und Porsche inzwischen kontrollieren. Sie besetzen inzwischen fünf der zehn Aktionärs-Sitze im Wolfsburger Aufsichtsrat.

Doch auch ihre Holding, die Porsche SE, profitiert. Sie musste zwar – für 4,46 Milliarden Euro – auch die zweite Hälfte des Porsche-Sportwagengeschäfts an VW abtreten. Dafür hält sie immer noch die VW-Aktien, ist ihren Schuldenberg los und sitzt überdies auf flüssigen Mitteln von rund 2,5 Milliarden Euro.

Das Geld will sie als finanzstarke Holding, wie Porsche-Chef Matthias Müller sagte, für „Investitionen entlang der automobilen Wertschöpfungskette“ einsetzen. Das könnten Handelsunternehmen ebenso sein wie Zulieferbetriebe oder Unternehmen mit Schlüsselkompetenzen für automobile Zukunftstechnologien.

Hier hat der Volkswagenkonzern in den letzten Monaten eine herbe Niederlage einstecken müssen. Denn beim Zugriff auf den Kohlefaserspezialisten SGL war BMW-Großaktionärin Susanne Klatten dem übermächtigen Wolfsburger Konzern immer wieder einen Schritt voraus und sorgte dafür, dass BMW nun die Technologien dieses Partners weitgehend exklusiv nutzen kann. Das soll dem neu entstandenen Giganten nicht noch einmal passieren.

Martin Prem

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