Pierer lehnt Rücktritt wegen Finanzaffäre ab

- München - ­ Der Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer lehnt einen Rücktritt wegen der Schmiergeldaffäre beim Münchner Elektrokonzern ab. "Ich trete nicht zurück", sagte von Pierer der "Welt am Sonntag". "Die Frage stellt sich mir nicht. Denn ich habe mir nichts vorzuwerfen." Weiter sagte er: "Wir haben nichts billigend in Kauf genommen. Wir haben viel gegen Korruption getan und unseren Leuten immer klar gesagt: Lasst lieber ein Geschäft sausen." Auch bei der Aufklärung handele der Konzern nun kompromisslos.

Unterdessen mehren sich Vorwürfe gegen den engsten Führungszirkel. "Ab einem gewissen Level wusste jeder, was da läuft", sagte der Anwalt des inhaftierten Chefbuchhalters der Kommunikationssparte Com, Steffen Ufer, dem "Tagesspiegel". "Man hat von meinem Mandanten ausdrücklich gewünscht, beide Augen zuzudrücken. Es hat keinen Zweifel daran gegeben, dass in diesem Konzern fast jeder ­ außer vielleicht die Putzfrau ­ wusste, dass illegale Provisionen gezahlt werden."

Ufer widersprach aber der Darstellung des "Tagesspiegels", der Com-Chefbuchhalter habe auch den Namen von Pierers ins Spiel gebracht. Ufer sagte, sein Mandant habe "weder direkt noch indirekt" von Pierer belastet "und den Namen schon gar nicht genannt". Nach Einschätzung des Anwalts hat sich der Chef des Com-Rechnungswesens auch nicht der Untreue schuldig gemacht. "Das ist Schwachsinn, das war doch alles im Interesse der Firma", sagte er.

Dem "Focus" zufolge sollen auch der frühere Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger sowie der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Karl-Hermann Baumann frühzeitig von dubiosen Geldströmen erfahren haben. Unter Berufung auf Firmen-Insider schreibt das Magazin, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG habe beide spätestens 2004 über fragwürdige Vorgänge informiert.

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