Pierer will "PS wieder auf die Straße bringen"

- Berlin - "Mehrwertsteuer-Erhöhung? Das fragen Sie besser Frau Merkel." In die Niederungen der Parteipolitik will sich Heinrich von Pierer nicht begeben. Bei seinem ersten Auftritt als wirtschaftspolitischer Berater von Angela Merkel hält sich der Siemens-Manager auffallend zurück. Der 64-jährige Bayer macht deutlich, dass er es als seine Aufgabe versteht, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik enger zu vernetzen. Sich in ein schwarz-gelbes Kabinett einbinden lassen, das will er jedoch nicht.

Wenn zutrifft, was der Flurfunk im Bundestag berichtet, soll Merkel den Manager mehrmals gedrängt haben, im Falle eines Wahlsiegs das Amt des Wirtschaftsministers zu übernehmen. Warum er der Kanzlerkandidatin einen Korb gegeben hat, lässt von Pierer auch am Dienstag unbeantwortet: "Ich kann an dieser Stelle einen besseren Beitrag leisten als in einer Regierungsmannschaft", sagt der Berater bei einer Pressekonferenz in der CDU-Zentrale. Neben ihm steht Merkel und spricht über Innovation, "den Schlüssel zum Wohlstand im 21. Jahrhundert". Selbstbewusst betont die Kandidatin: "Ich werde das Ganze als Aufgabe einer Bundeskanzlerin betrachten."

Von Pierer hat schon mehreren Kanzlern gedient. Als er von Journalisten darauf angesprochen wird, verfliegt die gute Laune für einen Augenblick: "Man kann nicht sagen, dass die bisherigen Kommissionen bedeutungslos waren", entgegnet der Manager und erinnert an seine Dienste für Helmut Kohl und Gerhard Schröder. In erster Linie gehe es ihm darum, Mut zu machen: "Wir sollten den Menschen wieder Optimismus verschaffen. In dem Land steckt eine ungeheure Kraft. Wir müssen die PS nur wieder auf die Straße bringen."

Als Chefberater einer unionsgeführten Bundesregierung will von Pierer einen "Rat für Innovation und Wachstum" leiten, der zu jeweils einem Drittel aus Wissenschaftlern, Konzern-Repräsentanten und Mittelständlern bestehen soll. Ein ähnliches Gremium ("Partner für Innovation") hatte auch Rot-Grün mit der Unterstützung von Pierers installiert.

Es sei "ganz wichtig", dass Merkel die Innovation zur Chefsache mache, lobt von Pierer und zitiert seinen Lieblingsspruch: "Wo das Auge des Herrn ruht, da gedeiht das Vieh." Bevor der Berater zur ersten Betriebsbesichtigung aufbricht, sagt er, ganz behutsam, doch noch etwas zu Merkels geplanter Mehrwertsteuer-Erhöhung: "Ich habe Verständnis dafür, dass man diesen Weg geht."

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