Pierers Kommunikations-Problem

- München - "Besenrein" könne er den Konzern nicht an seinen Nachfolger übergeben, bedauerte Heinrich von Pierer auf seiner letzten Hauptversammlung als Vorstandschef von Siemens. Eines der größten Probleme ist die Kommunikationssparte Com. Allerdings deutet sich womöglich eine Lösung an.

<P>Insgesamt zeigte sich Pierer "sehr zufrieden" mit dem ersten Quartal des Geschäftsjahres (1. Oktober bis 31. Dezember 2004). Das Unternehmen erzielte eine Milliarde Euro Gewinn nach Steuern, fast 40 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Allerdings sank der Umsatz leicht auf 18,16 Milliarden Euro. Und die Probleme in der Kommunikationssparte Com spitzen sich zu.</P><P>Der Bereich, der etwa ein Fünftel des Konzerngeschäfts ausmacht, verlor beim Umsatz sieben Prozent. Das Ergebnis von 240 Millionen Euro resultiert fast ausschließlich aus dem Verkauf von Aktien einer Beteiligung an Juniper Networks. Im Handygeschäft ist ein Verlust von 143 Millionen Euro angefallen. Und Siemens verkaufte nur noch 13,5 Millionen Mobiltelefone. Im ersten Quartal des Vorjahres waren es 15,2 Millionen. Der Bereich soll saniert, geschlossen, verkauft oder mit einem Partner weitergeführt werden. "Uns ist klar, dass hier Bedarf nach schneller Abhilfe besteht", sagte Pierer. Seinen Äußerungen nach dürfte es wohl nicht zur Schließung kommen. </P><P>"Wir haben eine gute Entwicklungsmannschaft, exzellente Werke und einen guten Markennamen. Diesen Wert gilt es zu erhalten", sagte er. Wenn es gute Gründe gebe, könne man aber auch loslassen, sagte er mit Blick auf Infineon und Epcos. Und er verwies auf Gemeinschaftsunternehmen mit anderen Anbietern: "Wir haben keine grundsätzlichen Probleme damit, wenn in dem einen oder anderen Fall Siemens nicht die Mehrheitsrolle einnimmt. Ich könnte mir vorstellen, dass es da in Zukunft noch weitere Beispiele geben wird." Dies könnte einen Verkauf der Kommunikationssparte oder ihre Abspaltung in ein Gemeinschaftsunternehmen andeuten.</P><P>Obwohl die Entwicklung bei Com noch unklar ist, gab Pierer einen Ausblick auf die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr. Man sehe Chancen, das Konzernergebnis zu verbessern. Der Umsatz soll stärker zulegen als im vergangenen Jahr, als die Erlöse um ein Prozent stiegen. Die Entwicklung sei aber auch von den Kursschwankungen des Euro abhängig.</P><P>Die Dividende steigt von 1,10 auf 1,25 Euro. Mancher Aktionär kritisierte das als vergleichsweise gering. Belegschaftsvertreter wünschten sich dagegen keine Erhöhung angesichts der Sparmaßnahmen bei vielen Beschäftigten. Die Siemens-Aktie stieg gestern zwischenzeitlich um fast zwei Prozent auf 62,95 Euro.<BR></P>

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