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Der jüngste bayrische Flughafen in Memmingen bleibt ein Sorgenkind der Vereinigung Cockpit. Der Flughafenbetreiber hält die Kritik der Pilotengewerkschaft aber für nicht stichhaltig.

Unter die Lupe genommen

Piloten: Fünf deutsche Flughäfen unsicher

München - Erneut hat die Pilotengewerkschaft VC die deutschen Flughäfen unter die Lupe genommen. Erneut hat der Flughafen Memmingen schlecht abgeschnitten. Doch der setzt sich zur Wehr.

Luftverkehr

Der ehemalige Militärplatz Memmingerberg ist der jüngste bayerische Flughafen, auf dem regelmäßig Linien- und Charterverkehr stattfindet. Und er gehört zu den Airports, die einmal im Jahr schlechte Noten bekommen. Immer dann, wenn die Vereinigung Cockpit zur Zeugnisverteilung schreitet und ihre Flughafen-Mängelliste veröffentlicht. Der Flughafen Memmingen hat einen Mangel, der ihm keine Chance gibt, vor den strengen Augen der Pilotengewerkschaft zu bestehen. Es sind nicht beide Enden der Start- und Landebahn über Rollwege erreichbar. Das bedeutet, Flugzeuge müssen je nach Windrichtung vor dem Start oder nach der Landung diese Piste auch als Rollweg benutzen.

Durchgefallen, weil Rollwege fehlen

Dieser eine Mangel allein bringt einem Flughafen in der Wertung von VC zwölf Mängelpunkte. Genau ab zwölf Mängelpunkten gibt es bereits einen Mängelstern. Und das heißt: durchgefallen. „Besonders unfallträchtig“ urteilt die Pilotengewerkschaft. Das ist sicherlich richtig. Denn die schlimmsten Unfälle auf Flughäfen passierten, wenn startende oder landende Flugzeuge, die ja relativ schnell unterwegs sind, mit Maschinen kollidierten, die vergleichsweise langsam am Boden dahinrollen.

Doch der Flughafen im Allgäu setzt sich inzwischen zur Wehr. Es müssten, nach Auffassung der Memminger Flughafenleitung, eben auch noch andere Faktoren berücksichtigt werden. Etwa die Verkehrsdichte. Wenn an einem Flughafen nicht einmal ein Dutzend Verkehrsflugzeuge abheben (in Memmingen sind es üblicherweise vier oder fünf), sei die von der Pilotenvereinigung beschworene Unfallgefahr nicht gegeben.

Fünf Flughäfen mangelhaft

Auch dieses Argument ist nicht falsch. Denn bei derartigen Unfällen waren meist noch ganz andere Faktoren im Spiel: Etwa Sichtbehinderung durch starken Nebel oder Niederschlag. Meist spielt auch eine gestörte Funkkommunikation eine Rolle, und dass Fluglotsen wie auch Piloten auf weiträumigen und verkehrsreichen Flughäfen den Überblick verloren. Das ist in Memmingen kaum zu befürchten, wo die Lotsen vielleicht ein oder zwei große Flugzeuge im Auge behalten müssen und dazu noch eine Handvoll kleinere, von denen die meisten bei schlechten Wetterbedingungen ohnehin nicht fliegen dürfen.

Doch dieses Argument überzeugt die Piloten nicht. Und so bleibt Memmingen mit 19 Minuspunkten Schlusslicht der deutschen Verkehrsflughäfen vor Zweibrücken (18 Punkte) und Lübeck (15 Punkte). Beide haben das gleiche Grundproblem wie Memmingen.

Verhängnisvoll für alle drei Schlusslichter: Die Behebung ihrer Mängel geht richtig ins Geld. Und daran mangelt es bei den meisten Kleinflughäfen, weil sie eben nicht von vielen Maschinen angeflogen werden, die mit ihren Gebühren die Flughafenkassen füllen. So wird sich auch in den nächsten Jahren nicht allzu viel ändern. Denn auch die in Memmingen monierten unzureichenden Sicherheitszonen lassen sich nur mit viel Geld schaffen. Dafür vergibt die VC weitere vier Mängelpunkte. Hinzu kommen fehlende Lichter an der Mittellinie der Landebahn mit drei Punkten. Mit jeweils 13 Punkten – aber ohne den einen entscheidenden Mangel – mussten auch die Flughäfen Weeze (Niederrhein) und Friedrichshafen einen Mangelstern einstecken.

München erneut ohne Makel

Günstig war die Zeugnisvergabe gestern erneut für den Flughafen München. Keine einzige schlechte Note vergaben die Piloten. Allerdings lässt sich auch kein klarer Klassenprimus feststellen. Denn neben München sind auch Berlin-Schönefeld, Düsseldorf, Leipzig/Halle und Stuttgart fehlerfrei.

Dagegen muss der größte deutsche Verkehrsflughafen, Frankfurt, einen Kritikpunkteinstecken: Es fehlt ein „redundantes Docking Guidance System“, monieren die Piloten. Das bedeutet, dass die exakte Abstellposition beim Andocken nur vom linken Sitz im Cockpit und nicht auch vom Platz des Kopiloten aus mit dem Auge zu erkennen ist.

Martin Prem

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