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Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit fordert, dass die Politik die Interessen der Unternehmen und der Beschäftigten im Luftverkehr besser ausgleicht. Foto: Julian Stratenschulte

Gegen nationale Alleingänge

Piloten: Regierung vernachlässigt Luftverkehr sträflich

Einmal im Jahr treffen sich die deutschen Verkehrspiloten, um ihre Probleme zu besprechen. Neben aller Kritik an der Luftverkehrspolitik geht es auch um persönliche Risiken.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Bundesregierung soll nach Auffassung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mehr für den Luftverkehr und die dort beschäftigten Arbeitnehmer tun.

Es gelte unter anderem, atypische Beschäftigungsmodelle auf europäischer Ebene zu unterbinden, erklärte VC-Präsident Ilja Schulz beim Deutschen Verkehrspilotentag in Frankfurt. "Jeder Tag, den Ryanair mit scheinselbstständigen Leihpiloten weiterfliegt, ist für sie ein Gewinn." Die Iren setzten zudem andere Gesellschaften mit ihren niedrigen Kosten zu Lasten der Beschäftigten unter Druck.

Die Politik müsse die Interessen der Unternehmen und der Beschäftigten besser ausgleichen, sagte Schulz der Deutschen Presse-Agentur. Wachstum dürfe nicht mehr allein auf Kosten der Belegschaft und des Sozialkonsens stattfinden. Auch innerhalb des Lufthansa-Konzerns würden Arbeitnehmerrechte missachtet, etwa bei der Behinderung der Betriebsratswahl bei Sun Express.

In der Luftverkehrspolitik müsse Deutschland nationale Alleingänge wie die Luftverkehrssteuer beenden, erklärte Schulz. Die Vorhaben der Bundesregierung im Luftverkehr reichten keinesfalls aus. "Die wissen genau, was sie tun müssten, tun es aber einfach nicht." Dies gelte auch für die Infrastrukturplanungen oder den von der Europäischen Union weiterhin im Alleingang betriebenen Emissionshandel.

Das Cockpitpersonal trägt aber auch spezielle gesundheitliche Risiken, wie Experten verdeutlichten. So sind Piloten auf einer üblichen Reiseflughöhe von 9000 Metern einer etwa doppelt so starken Sonneneinstrahlung ausgesetzt wie am Boden, erläuterte die Medizinerin Christine Hecker von der Technischen Universität München. Piloten gehörten demnach wie Landwirte oder Bergführer zu einer Hochrisikogruppe für den "weißen Hautkrebs" und sollten daher an einem freiwilligen Screening-Programm teilnehmen.

Die gesundheitlichen Folgen der gelegentlich auftretenden Geruchsereignisse in den Flugzeugen müssen nach Auffassung des Experten Jörg Hedtmann von der Berufsgenossenschaft Verkehr noch weiter erforscht werden. Bislang gebe es keine schlüssigen Beweise, dass die in der Kabinenluft auftretenden Stoffe zu langfristigen gesundheitlichen Schäden führen oder sogar eine Berufskrankheit begründen könnten.

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