Pipeline durchgerostet - Ölfeld dicht

- New York - Die Schließung des größten amerikanischen Ölfelds "Prudhoe Bay" im hohen Norden Alaskas wegen starker Korrosion an Transit-Pipelines sind für den britischen Ölriesen BP der neue Höhepunkt einer nicht endenden Serie von schwerwiegenden Problemen in den USA. Durch die Stilllegung fallen vorübergehend 400 000 Barrel und damit knapp 64 Millionen Liter Öl pro Tag weg oder rund acht Prozent der amerikanischen Gesamtförderung.

Das ist angesichts der engen Marktlage an den Ölmärkten (siehe Kasten) ein enormer Brocken und hat die Ölpreise am Montag zeitweise um 2,4 Prozent auf deutlich über 76 Dollar je Barrel in die Höhe getrieben. Die BP-Aktien fielen in New York vorbörslich um 1,89 Prozent auf 71,17 Dollar.

Die Dauer des Produktionsstopps war laut BP zunächst unklar. Die Förderung soll erst wieder aufgenommen werden, wenn keine Gefahr mehr für die Umwelt bestehe, sagte BP-America-Chef Bob Malone. Allein die Stilllegung der beschädigten Pipeline werde mehrere Tage dauern. An 16 Teilstücken der Transitleitung auf der Ostseite des Feldes seien insgesamt zwölf Schwachstellen sowie ein kleines Leck festgestellt worden. Die betroffenen Abschnitte würden nun repariert oder ersetzt.

In der Prudhoe Bay befindet sich das größte Erdölvorkommen der USA mit einem Volumen von elf Milliarden Barrel, das 1968 entdeckt wurde. In dem rund 35 Kilometer langen Prudhoe-Bay-Pipelinenetz hatte es bereits im März eine schwerwiegenden Zwischenfall gegeben, als bei einem Pipeline-Leck rund eine Million Liter Öl ausgelaufen waren und die umliegende Tundra verpestet hatten.

BP steht seither unter scharfer Kontrolle der Umweltbehörden. Der britische Konzern musste sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht genug zur Überprüfung und Instandhaltung der kleinen Pipelines getan zu haben, die das Öl zur Trans-Alaska-Pipeline transportieren.

Korrosionsprobleme an Pipelines sind bei der Ölförderung üblich und werden mit Korrosionsschutzmitteln bekämpft. Werden die Leitungswandungen durch die Korrosion zu dünn, kann es zu Öllecks kommen.

BP hat bisher nach eigenen Angaben rund 40 Prozent der örtlichen Pipelines inspiziert und wollte ein rund fünf Kilometer langes Leitungsstück ersetzen. Jetzt kommt es aber zu der temporären Schließung des gesamten Ölfelds, um mögliche Umweltprobleme zu vermeiden und die Sicherheit der Pipelines zu garantieren.

Das Öl von der Prudhoe Bay und anderen großen Ölfeldern im größten US-Fördergebiet, der "North Slope" von Alaska, wird über die örtlichen "Transit"-Pipelines gesammelt und dann in die rund 1300 Kilometer lange Trans-Alaska-Pipeline eingespeist und zum eisfreien Hafen Valdez im Süden des US-Bundesstaates transportiert. Von dort wird das Öl auf Tanker verladen und vor allem zu Raffinerien an der amerikanischen Westküste in den Bundesstaaten Kalifornien und Washington transportiert.

BP hatte am 25. Juli angekündigt, dass man eine Milliarde Dollar zusätzlich zu bereits vorgesehenen sechs Milliarden Dollar für die Verbesserung der Sicherheit in den US-Raffinerien sowie für die Reparaturen und die Erneuerung der Ölfeld-Pipelines in Alaska ausgeben wolle.

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