Pipeline spült Milliarden nach Bayern

- München ­- Bayern ist eine Insel. Klingt etwas merkwürdig, trifft aber zu ­ auf das südostbayerische Chemiedreieck. Dieses ist gewissermaßen von der Außenwelt abgeschnitten. Ethylen und Propylen ­ Rohstoffe für Chemie und Kunststoff, die hier gebraucht werden ­ müssen auch hier hergestellt werden. Und Rohstoffe, die hier hergestellt werden, können auch nur hier weiterverarbeitet werden, denn eine Pipeline für den wichtigsten Grundstoff Ethylen existiert nur zwischen Münchsmünster bei Ingolstadt und Burghausen.

Der Ausfall eines einzigen Gliedes in der Kette von Lieferanten und Abnehmern würde das Gleichgewicht zerstören ­ und damit die Wirtschaftlichkeit der bayerischen Chemieindustrie. Ein Großprojekt soll dies nun ändern: Eine Pipeline von Münchsmünster nach Ludwigshafen soll das Chemiedreieck an die Außenwelt anbinden und Milliarden-Investitionen nach Bayern spülen. Von Ludwigshafen aus besteht bereits eine Pipeline-Verbindung über Frankfurt ins Ruhrgebiet und nach Belgien und Holland.

Ethylen wird in sogenannten Crackern aus Benzin gewonnen. Es gilt als wichtiger Grundstoff für die Kunststoffindustrie. Mit der neuen Verbindung können Angebot und Nachfrage großflächiger zueinander finden. Langfristig ist ohnehin ein europäisches Pipeline-Netz geplant. Dieses Netz soll von Schottland bis Spanien und an die bulgarische Schwarzmeerküste reichen. Die jetzt geplante Verbindung wäre darin ein Herzstück.

Gleichwohl wäre das für Bayern so wichtige Projekt beinahe an den EU-Instanzen gescheitert. Dabei ging es um einen Staatszuschuss von 45 Millionen Euro zur gesamten Investitionssumme von 150 Millionen Euro. Denn allein durch private Mittel wäre das Projekt nicht zu finanzieren gewesen. Erst im Oktober genehmigte die Kommission die Staatshilfe und gab damit den Weg frei.

Der Einsatz des staatlichen Geldes wird sich für Bayern auszahlen. Bereits mit der gestrigen Vorstellung des Projekts kündigte die OMV, die in Burghausen einen bisher auf Bayern beschränkten Ethylen-Cracker betreibt und den privaten Anteil der Pipeline gemeinsam mit Tochterunternehmen zu 33 Prozent finanziert, ein Investitionsprogramm in Bayern über 1,1 Milliarden Euro an. Allein 640 Millionen Euro fließen, wie Gerhard Roiss, der stellvertretende OMV-Generaldirektor, erklärte, in den Raffineriestandort Burghausen. Bis 2008 ­ bis dahin soll die Pipeline fertig gestellt sein ­ soll die Ethylen-Produktion in Burghausen um 110\x0f000 auf 440\x0f000 gesteigert werden und die von Propylen sogar von 315 000 auf 516 000 Tonnen. Damit kann auch künftig der in Burghausen expandierende Kunststoffhersteller Borealis zu 100 Prozent mit Propylen aus Burghausen versorgt werden.

Weitere 180 Millionen Euro will die OMV in ihr bayerisches Tankstellennetz investieren und 315 Millionen steckt sie in die Restrukturierung des Raffinerieverbunds Bayern-Oil, der zu 45 Prozent zu OMV gehört, vor allem soll mit der Neuausrichtung der steigenden Nachfrage nach Dieselkraftstoffen Rechnung getragen werden.

Bereits heute macht die ehemalige Österreichische Mineralölverwaltung 29 Prozent ihrer Umsätze in Bayern. Das soll mehr werden. Eine solche Investition sei auch für Bayern nicht alltäglich, lobte Wirtschaftsminister Erwin Huber und sprach mit einem Seitenhieb auf aggressive österreichische Versuche, bayerische Unternehmen in die Alpenrepublik abzuwerben, von einer "klugen Entscheidung österreichischer Unternehmen".

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