Pischetsrieder kontert lässig: "Warum sollte ich zurücktreten?"

- Wolfsburg - Es wurde plötzlich ganz still im großen Saal des VW-Werkes in Wolfsburg, als ein Reporter VW-Chef Bernd Pischetsrieder direkt fragte: "Herr Pischetsrieder, warum treten Sie nicht zurück?" Allzu schlimm schienen die Demütigungen durch Pischetsrieders Vorgänger und jetzigen Aufsichtsratschef Ferdinand Pi´"ch zu sein, die zuletzt öffentliche Debatten über den Arbeitsvertrag des obersten VW-Managers auslösten. Doch der Gefragte zeigte sich lässig: "Warum sollte ich denn zurücktreten?"

Eigentlich sollten die langsam sichtbaren Erfolge des Konzerns sowie die Sanierung der sechs westdeutschen Traditionswerke den Inhalt der Bilanzvorstellung prägen. Piëch hatte diese Planung vergangene Woche aber über den Haufen geworfen, als er über Pischetsrieders Zukunft bei VW spekulierte.

15 Prozent Plus bei den Auslieferungen

Pischetsrieder nahm die Herausforderung an: Ohne lange zu zögern ging der 58 Jahre alte Bayer auf seine Zukunft an der Konzernspitze ein: "Ich möchte unseren Konzern gemeinsam mit unseren Kollegen zum Erfolg führen", sagte Pischetsrieder ungefragt. Und wie um zu zeigen, dass er der Richtige auf dem Chefsessel im Hochhaus am Mittellandkanal ist, legte er unerwartet starke Absatzzahlen für die ersten Monate dieses Jahres vor: Die Auslieferungen stiegen bis Ende Februar um 15 Prozent auf 790 000 Stück. Wie bereits bekannt, stieg das Konzernergebnis vor Steuern 2005 dank des Sparprogramms um 58 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Der Umsatz erhöhte sich um sieben Prozent auf 95,3 Milliarden Euro. An die Aktionäre soll eine Dividende von 1,15 Euro gegenüber 1,05 Euro im Vorjahr gezahlt werden.

Ganz besonders legte der VW-Chef Wert auf die Einigkeit im Vorstand, denn immer wieder war sein Kollege in der Führungscrew und Audi-Boss Martin Winterkorn als Rivale genannt worden. Pischetsrieder sagte, er habe gemeinsam mit Winterkorn entschieden, dass Audi als Marke selbstbewusster auftreten solle. "Dieses, Herr Doktor Winterkorn, haben Sie vorbildlich gemacht", lobte Pischetsrieder. Damit spielte er darauf an, dass Winterkorn immer wieder aggressiv die Erfolge von Audi verbreitet hatte, was ihm viele Beobachter als Warmlaufen für den Job an der Konzernspitze ausgelegt hatten.

Zur grundlegenden Sanierung der kriselnden Kernmarke Volkswagen gebe es keine Alternative, machte der Vorstand klar. Subventionen von Audi, um die Verluste bei VW auszugleichen, seien nicht länger zu tragen.

Der Konzernchef streckte auch demonstrativ die Hand in Richtung Belegschaft aus: "Man kann ein Unternehmen nur mit den Mitarbeitern und nicht gegen die Mitarbeiter führen", sagte er. Es gilt zurzeit als fraglich, ob die zehn Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat bereit sind, einer Vertragsverlängerung von Pischetsrieder zuzustimmen.

Pischetsrieder legte bei den freundlichen Gesten an die Mitarbeiter sogar noch nach: Die Sanierung sei notwendig, damit "die Kinder von Mitarbeitern auch noch eine Zukunft vor sich haben". Der Betriebsrat ist schlecht auf Pischetsrieder zu sprechen, weil dessen Sanierungsplänen bis zu 20 000 Jobs in Deutschland zum Opfer fallen könnten.

Der Kunstgriff auf das Thema Kinder hatte schon einmal geholfen: Bei den Tarifverhandlungen 2004 hatten Übernahmeversprechen für die Lehrlinge geholfen, eine Nullrunde durchzuboxen.

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