Pischetsrieder prangert Spesen-Tricks an

- Wolfsburg - Tarnfirmen, selbst ausgestellte Belege und andere zweifelhafte Reisespesen - Stück für Stück kommt das ganze Ausmaß der VW-Korruptionsaffäre ans Licht. VW-Chef Bernd Pischetsrieder erläuterte in einem Brief an die Mitarbeiter die Vorwürfe im Einzelnen und versprach erneut eine schnelle und lückenlose Aufklärung. Für morgen ist eine Sitzung des Aufsichtsrats-Präsidiums einberufen worden. Aufsichtsrat Christian Wulff sprach sich schon dafür aus, bei dieser Sitzung das Rücktrittsangebot von Personalvorstand Peter Hartz anzunehmen.

Pischetsrieder schrieb in dem Brief, "die Schlagzeilen, denen unser Unternehmen seit nunmehr zwei Wochen ausgesetzt sind, haben ein unerträgliches Maß erreicht". Er nannte "drei Vorgänge", die derzeit den Konzern beschäftigten: Zum einen ermittle die Staatsanwaltschaft zu einem Geflecht von Tarnfirmen, das der ehemalige Skoda-Vorstand Helmuth Schuster und ein Ex-Mitarbeiter der Personal-Abteilung, Klaus-Joachim G., "mutmaßlich aufgebaut haben sollen, um sich zu bereichern". Dabei gebe es um Geschäfte in Indien und Angola und auch in der Tschechischen Republik.Zweitens gehe es um die Vorwürfe gegen den ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert: "Er hat inzwischen bestätigt, dass er an einer dieser Firmen beteiligt war. Drittens geht es um Spesengelder, die einer der beiden erwähnten Mitarbeiter möglicherweise für Dinge eingesetzt hat, die wir nicht dulden können."G. habe im Personalwesen eine ganz besondere Vertrauensstellung gehabt. "Um dem Betriebsrat die notwendige und gesetzlich vorgesehene Freiheit bei seiner Arbeit zu geben, kam ihm die Aufgabe zu, auf Vertrauensbasis Veranstaltungen und Reisen des Betriebsrates zu organisieren. Bei seinen Abrechnungen gibt es zweifelhafte Positionen, insbesondere selbst ausgestellte Belege, die die Staatsanwaltschaft überprüfen wird." Zudem gebe es Vorwürfe, dass G. auch sachfremde Vorgänge organisiert und abgerechnet haben solle.Der Aufsichtsrat bestand bisher aus den vier Mitglieder Ferdinand Pië¨ch (Vorsitz), Wulff (niedersächsischer Ministerpräsident), Klaus Volkert (jüngst zurückgetretener Betriebsratschef) und Jürgen Peters (IG-Metall-Chef). Volkert hat seinen Posten im Präsidium bereits niedergelegt, hieß es in Unternehmenskreisen. Das Umlaufverfahren zur Bestellung von Bernd Osterloh, der Volkert auch als Betriebsratschef nachfolgt, laufe bereits.

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