Pischetsrieder zieht bei Volkswagen die Zügel an

- Wolfsburg - Im Zentrum der Macht des VW-Konzerns ist es seit Wochen deutlich zu spüren: Bei VW weht mit Bernd Pischetsrieder ein anderer Wind. Zwar hat der erste Mann von Europas Marktführer einen anderen Stil als Vorgänger Ferdinand Pië¨ch _ behutsamer und kooperativer bei seinen Entscheidungen, wie seine engsten Mitarbeiter immer wieder betonen. Trotzdem: 18 Monate nach Amtsantritt zieht Pischetsrieder die Zügel fester an. Er drückt dem Autobauer seinen Stempel auf und arbeitet eine Baustelle nach der anderen ab: leise, aber bestimmt.

<P>Die Bezahlung</P><P>Erste Baustelle: Bezahlung des Top-Managements. Nun werden Teile der Bonus-Zahlungen von der Rendite der Investitionen abhängig gemacht, sagte ein VW-Sprecher. Pischetsrieder will die Manager damit künftig mehr in die persönliche Pflicht nehmen, um zu erreichen, dass sie bei der Entscheidung über zum Teil milliardenschwere Investitionen behutsamer vorgehen, wie es in Konzernkreisen heißt. Wer mit seinem eigenen Gehalt dran hängt, überlege eben drei Mal mehr, ob er die Summe tatsächlich freigibt, sagte ein Insider.</P><P>Ziel der Umstellung der Boni sei nicht die geringere Bezahlung der Führungskräfte, sondern vielmehr, die Investitionen - vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung - besser in den Griff zu bekommen. Sie sollen in der Vergangenheit sehr ausgeufert sein, heißt es bei VW. Und Pischetsrieder hatte schließlich öffentlich zur Zielmarke erklärt, jedes Jahr eine Milliarde Euro zu sparen. </P><P>Das Personal</P><P>Baustelle zwei: Personalentscheidungen. Pischetsrieder fällt sie klar und kompromisslos, streng nach dem Motto mehr Verantwortung für die Marken, weniger Konzern. Nicht nur, dass er im April Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer an die Luft setze und die Verantwortung auf die Chefs der beiden von Pischetsrieder gegründeten Markengruppen um VW auf der einen und Audi auf der anderen Seite verschob. Nach der verpatzten Premiere des 1001 PS starken Bugatti Veyron für eine Million Euro wird spätestens nach der Automobilausstellung IAA in Frankfurt Bugatti-Präsident Karl-Heinz Neumann abgelöst. Eine Woche vor dem Start der IAA war gestern noch nicht einmal sicher, ob Neumann überhaupt noch in Frankfurt auftreten wird.</P><P>Die Modelle</P><P>Baustelle drei: VW-Modellpalette. Beharrlich baut VW unter Pischetsrieders Führung unter der Marke VW immer neue Modelle: Minivan Touran, Oberklasse-Phaeton, Geländewagen Touareg. Der neue Golf kommt schon bald auch als GTI-Version auf den Markt. Und jetzt will Pischetsrieder endlich mit dem Vorurteil aufräumen, VW betreibe nur "beschauliches Heidedesign" bei den Autos. Er wird eine Studie für einen Roadster vorstellen, zunächst nur ein Prototyp. Aber er soll schon in einigen Jahren so oder so ähnlich auf den Straßen rollen.</P><P><BR> </P>

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