Plädoyer für mehr Freiheit und Wettbewerb

- München - Er zog einen weiten Bogen von der französischen Revolution über Thomas Mann bis hin zur tristen deutschen Gegenwart: Hans-Olaf Henkel, Hauptredner beim 3. Finanzforum, das die AVA Vermögensplanungs AG gemeinsam mit unserer Zeitung im Münchner Park-Hilton veranstaltete, ging dabei weit über den Bereich der Wirtschaftspolitik hinaus. Er forderte Veränderung an den Grundlagen von Staat und Gesellschaft.

<P>"Unsere Politiker sind nicht gemeiner und die Wähler nicht blöder", sagte Henkel. Die Ursachen für die deutsche Reformunfähigkeit ortet er woanders. Die Verfassung, die "unter alliierter Oberaufsicht" entstand, sei vom Ziel geprägt, die Handlungsfähigkeit Deutschlands zu begrenzen.<BR><BR>Entsprechend forderte Henkel einen neuen Verfassungskonvent, der vor allem zwei Dinge zum Ziel haben soll: Mehr Wettbewerb und mehr Freiheit, den Grad dieser Freiheit misst Henkel an der Staatsquote, die wieder deutlich unter 50 % gedrückt werden müsse. "Schluss mit mehr Gleichheit", forderte der Präsident der Leibniz Gemeinschaft und untermauerte dies durch Meinungsumfragen, nach denen die Mehrheit der Deutschen ein Mehr an Freiheit auch zu Lasten der Gleichheit wünschen.<BR><BR>Im Verhältnis zwischen den Ländern fordert Henkel mehr Wettbewerb etwa im Bildungsbereich. Das Einstimmigkeitsprinzip der Kultusministerkonferenz heble den Wettbewerb aus, kritisiert er: "Wir müssen dafür sorgen, dass alle am Start gleiche Chancen haben, aber nicht dass alle gleichzeitig im Ziel sind." Hochschulen sollen sich ihre Studenten aussuchen können, fordert er und plädiert auch für Studiengebühren. Die kostenlose Hochschule sei die einzige Investition, die von allen für die Elite ausgegeben wird, die dann auch noch bessere Chancen auf den Arbeitsmarkt habe.<BR><BR>Henkel griff neben der Bundesregierung auch den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber scharf an: Vor allem dessen Vorstoß zur Begrenzung von Manager-Gehältern fand der Leibniz-Präsident grundfalsch. "Die Unternehmen verdienen zu wenig", monierte er. Man müsse, "wenn man was ändern will, auch dafür eintreten, dass man was verdienen kann."<BR>Dass er mit seiner Kritik nicht nur Beifall findet, stört Henkel nicht. </P><P>Er redet gern gegen den Strich und ärgert sich, dass "Wahrheiten nicht ausgesprochen werden, weil sie politisch nicht korrekt sind". Er forderte Wahrheit auch von der Politik. "Wir brauchen Leute, die nicht sagen, was ankommt, sondern worauf es ankommt."<BR></P>

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