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Gemeinsamer Plan gegen panische Märkte

Washington - Die sieben wichtigsten wollen die Finanzkrise mit „allen verfügbaren Mitteln“Industrienationen bekämpfen. Ein Fünf-Punkte-Plan soll die Kreditmärkte wieder beleben.

Es war wohl eine der kürzesten Erklärungen, die je am Ende eines Treffens der G7-Finanzminister und -Notenbankchefs stand. Gerade eine Seite umfasst das Papier, von dem die sieben wichtigsten Industrienationen so sehnlichst einen Wendepunkt für die gebeutelten Weltfinanzmärkte erhoffen. Ohne die sonst üblichen Floskeln und gebetsmühlenartig wiederholten Interessenbekundungen reduzierten die Sieben ihre Forderungen auf fünf klare Botschaften.

„Dringende und außergewöhnliche Maßnahmen“ kündigte der Club der reichen Länder an: Wichtige Finanzinstitutionen sollen vor dem Untergang bewahrt, eingefrorene Kreditmärkte aufgetaut und privates wie staatliches Kapital „ausreichend“ an Banken fließen, um das beinahe havarierte Finanzsystem wieder flottzumachen. „Robuste“ Garantien müssten Bankkunden zudem Vertrauen geben, der Markt für notleidende Vermögenswerte soll wiederbelebt werden. Von einem „aggressiven Plan“ sprach US-Finanzminister Henry Paulson , von „weitreichenden Verabredungen“ sein deutscher Kollege Peer Steinbrück. Die zuletzt hypernervösen Börsen und die seit Tagen verunsicherten Investoren werden ihr Urteil heute fällen.

Als hätten die Aktienmärkte den Druck auf die Politik bis zur Unerträglichkeit erhöhen wollen, hatten sie am Freitag ihren Absturz dramatisch fortgesetzt. Binnen einer Woche brach der japanische Nikkei-Index um 24 Prozent ein, der Dax verlor mehr als ein Fünftel. Dass der amerikanische Dow-Jones-Index nach einer wilden Berg- und Talfahrt um rund 1000 Punkte mit etwa 1,5 Prozent im Minus schloss, galt nach dem Blutbad der Vortage schon als moderat.

Entschlossenheit und Tatkraft sollte die Kürze des Aktionsplans wohl demonstrieren, nach der Devise: Die Zeit der langen Reden ist vorüber, und auch der langen Kommuniqués. Die zunächst auch diesmal geplante mehrseitige Erklärung, bei der die G7-Unterhändler sonst um jedes Komma feilschen, blieb kurzerhand in der Schublade. Paulson betonte: „Nie war es wichtiger, gemeinsame Lösungen zu finden, um stabile und effiziente Finanzmärkte zu schaffen und die Weltwirtschaft gesunden zu lassen.“ Zeitgleich, zwei Häuserblöcke weiter, zog auch der deutsche Finanzminister sein Fazit. Das sehr kurze, eindringliche Papier enthalte „ziemlich klare Botschaften“.

Paulson wie Steinbrück schoben aber gleich nach, dass jedes Land je nach Lage auch weiterhin eigene Wege im Kampf gegen die massiven Turbulenzen einschlagen sollte. Ob der G7-Aktionsplan oder die nationalen Vorstöße ausreichen, die Hysterie zu bändigen, die die Märkte fest im Griff hat? Schließlich haben die Regierungen schon über Wochen den panischen Finanzmärkten immer größere Rettungsringe zugeworfen, ohne dass es etwas nutzte. Schon raten Ökonomen Regierungen, eher weniger zu unternehmen, weil jeder neue Schritt nur die Angst vor dem Abgrund wachsen lasse.

Alle 185 Mitgliedsländer des internationalen Währungsfonds IWF stellten sich ausdrücklich hinter den Aktionsplan der G7. Auch aufstrebende Wirtschaftsgiganten wie China, Indien und Brasilien versicherten nach einer Sondersitzung der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), dass sie eine aktive Rolle bei der Stabilisierung der Märkte spielen wollen. In der G-20 sind die sieben wichtigsten Industriestaaten und Russland (G-8) sowie weitere Industrie- und Schwellenländer wie China, Indien, Australien, Südafrika und Saudi-Arabien vereint.

von André Stahl und Frank Brandmaier

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