EU plant Feldzug gegen Alkohol

- München - Sinkender Absatz, wachsender Konkurrenzdruck: Für die 1270 Brauereien in Deutschland waren die vergangenen Jahre hart. Nun könnten die Zeiten noch härter werden. Aus Brüssel mehren sich die Hinweise auf einen politischen Paukenschlag der EU-Kommission. Sie könnte - nach dem Tabakmarkt - alkoholhaltige Getränke ins Visier nehmen. Der Deutsche Brauer-Bund fürchtet "die alkoholpolitische Machete", geschliffen vor allem von den restriktiven skandinavischen Ländern.

Werbeverbote, höhere Alkoholsteuer, Einschränkung des Verkaufs - was in Brüssel aus einer Strategiekommission nach außen dringt, versetzt deutsche Branchenvertreter in Alarmstimmung. "Im April soll die Katze aus dem Sack gelassen werden", berichtet Birte Kleppien, Sprecherin des Deutschen Brauer-Bunds.

Die Brauer machen mobil: Mit einem "Bier-Forum" weisen sie heute in Düsseldorf auf das drohende Ungemach hin und verteidigen zugleich die Vorzüge des "Lebensmittels Bier". Die Brauwirtschaft hofft auf ein Veto aus Berlin, zählt die Gesundheitspolitik doch zum nationalen politischen Hoheitsgebiet. "Die deutsche Politik hat noch gar nicht mitbekommen, was da in Brüssel passiert", sagt ein Verbandsvertreter.

Angesichts sinkender Inlandsnachfrage nach Bier sehen die Brauereien mit ihren bundesweit gut 33 000 Beschäftigten keinen Anlass für einen scharfen Kurs gegen den Gerstensaft: Der Pro-Kopf-Jahreskonsum sank von 132 Litern vor zehn Jahren auf zuletzt 116 Liter.

Die Mehrheit der Bürger konsumiert Bier maßvoll und gesund", argumentiert Jürgen Witt, Geschäftsführer des Verbandes der Rheinisch-Westfälischen Brauereien. "Die Konsumenten würden in alkoholpolitische Sippenhaft genommen", wettert Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds. Das Volumen des Alkoholkonsums insgesamt sei nicht besorgniserregend, sondern allenfalls die Verteilung. Den Menschen, die nicht verantwortungsbewusst mit Alkohol umgehen könnten, werde mit den kolportierten Maßnahmen nicht geholfen. "Das ist ein Griff in die alkoholpolitische Mottenkiste, der am Grundproblem nichts ändert."

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm sieht dies freilich anders. Sie unterstützt die in Brüssel diskutierten Maßnahmen als nachweislich wirkungsvolle Instrumente, den Alkoholkonsum in Deutschland zu verringern. 1,7 Millionen Alkoholiker gebe es in Deutschland, 73 000 Tote fordere der Alkohol Jahr für Jahr.

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