Planziel erhöht: Ausbildungspakt soll nun 60 000 Lehrstellen bringen

- Berlin - ­ Regierung und Wirtschaft haben den Ausbildungspakt um drei Jahre bis 2010 verlängert. Die Spitzenverbände der Wirtschaft sagten zu, die Zahl der neuen Ausbildungsplätze von jährlich 30.000 auf 60.000 zu verdoppeln. Für schwer vermittelbare Jugendliche sollen 40 000 Praktikumsplätze geschaffen werden.

Kritiker werfen der Wirtschaft vor, die Verdoppelung der Lehrstellen sei nicht ambitioniert genug. Bereits im Ausbildungsjahr 2006 waren 67 900 neue Plätze geschaffen worden. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt wies die Vorwürfe zurück: "Wir haben uns ambitionierte Ziele gesetzt." Es sei keine Selbstverständlichkeit, wieder 60 000 neue Plätze zu finden. Im Vorjahr hätten viele Betriebe im Windschatten des Aufschwungs mehr Lehrlinge eingestellt.

Arbeitsminister Franz Müntefering hält an seinem bereits 2004 gefassten Ziel fest, dass jeder junge Mensch, der fähig und arbeitswillig sei, in Deutschland eine Ausbildung erhalten solle. "Der Pakt hat sich ausgezahlt", sagte er. "Er wird jetzt nicht nur fortgeschrieben, sondern verbessert." Für schwer vermittelbare Bewerber werde das Sonderprogramm Einstiegsqualifizierung Jugendlicher (EQJ-Programm) von 25 000 auf 40 000 Plätze aufgestockt. Das Programm vermittelt Jugendliche, die keine reguläre Ausbildungsstelle finden, in ein sechs- bis zwölfmonatiges Praktikum, das der Staat mit 300 Euro bezuschusst. Die Förderung für die kommenden drei Jahre sei sichergestellt, sagte Müntefering. "Wir wollen erreichen, dass kein junger Mensch unter 25 länger als drei Monate arbeitslos ist."

Die Partner des Paktes appellierten an die Länder, die zu hohe Zahl der Schulabgänger ohne Schulabschluss zu verringern. Etwa jeder fünfte Arbeitslose in Deutschland verfügt über keinen Schulabschluss.

Mit Blick auf die letzten drei Jahre sieht Wirtschaftsminister Michael Glos, den Pakt als großen Erfolg. Dieser habe "die Erwartungen übererfüllt". Die Kooperation mit der Wirtschaft sei die richtige Reaktion auf die demografischen Herausforderungen. Alleine jedoch werde der Pakt das Problem des zu erwartenden Fachkräftemangels nicht lösen.

Nach einer Prognose des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der Deutschen von heute 82,5 Millionen Menschen bis zum Jahr 2050 auf etwa 70 Millionen Menschen sinken. Im Jahr 2050 wird nur noch die Hälfte der Bevölkerung im Erwerbsalter sein. Experten erwarten in 40 Jahren einen Mangel an Lehrlingen und qualifizierten Arbeitskräften.

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