Plattenfirmen planen Musik-Flatrate

München - Die Musikindustrie leidet seit Jahren unter dem lahmenden CD-Absatz. Jetzt tüfteln die großen Labels an einem neuen Geschäftsmodell: Für ein paar Euro im Monat sollen die Verbraucher unbegrenzt Songs aus dem Internet lauschen können.

Kaum eine Branche ist in den letzten Jahren so unter die Räder geraten wie die Musikindustrie. Seit zehn Jahren befinden sich die Umsätze der Plattenfirmen rund um den Globus auf Talfahrt. Alleine in Deutschland verringerten sich die Einnahmen zwischen 1998 und 2007 um gut eine Milliarde Euro auf 1,65 Milliarden Euro, wie aus den Statistiken des Bundesverbands der Musikindustrie in Berlin hervorgeht. So arg ist der Niedergang, dass das traditionsreiche britische Label EMI (Robbie Williams, Kylie Minogue) kürzlich den Abbau jeder dritten Stelle ankündigte.

"Eine Branche in der Krise", titeln die Medien in regelmäßigen Abständen. Auslöser ist der eingebrochene Verkauf von Tonträgern, mit dem die Unternehmen den Großteil ihrer Erlöse erwirtschaften. So ging allein die Zahl der abgesetzten CD-Alben in Deutschland seit dem Jahrtausendwechsel um 50 auf 150 Millionen Stück pro Jahr zurück. Gerade jüngere Musik-Fans sind immer weniger bereit, für die Silberlinge Geld auszugeben. Sie bedienen sich stattdessen bei den noch lange nicht abgeschalteten Online-Tauschbörsen (siehe Kasten unten). Oder sie fertigen mit den in jedem zweiten Haushalt verfügbaren Brennern Kopien von gekauften CDs für Freunde an - ohne wie einst bei der Kassette Abstriche beim Klang machen zu müssen.

Kritiker warfen der Musikbranche lange vor, sich der digitalen Revolution verweigert zu haben. Stattdessen hätte sie allein auf Kopierschutz und Schreck-Kampagnen gegen Raubkopierer gesetzt. Doch mittlerweile entdecken die vier marktführenden Labels Universal, Warner, Sony-BMG und EMI das Internet für sich: Seit zwei, drei Jahren stellen sie ihren Liederstamm über digitale Plattengeschäfte wie I-Tunes von Apple oder Musicload.de von der Telekom gegen Bezahlung bereit; immerhin 35 Millionen Titel wurden nach Angaben der Nürnberger GfK-Marktforscher 2007 in Deutschland bereits über solche Plattformen legal heruntergeladen. Und jetzt planen die Großen offenbar einen revolutionären Schritt: die Flatrate für digitale Musikstücke.

Das Label Sony-BMG hat gerade angekündigt, ein solches Pauschalangebot einzuführen. Nutzer sollen künftig gegen eine monatliche Gebühr von sechs bis acht Euro alle Lieder aus dem Repertoire des Unternehmens über das Internet anhören dürfen, wie Vorstandschef Rolf Schmidt-Holtz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte. "Unsere Marktforschung zeigt, dass eine große Zahl von Kunden ein solches Angebot attraktiv findet." Es könnte noch heuer starten. Der Haken aus Verbrauchersicht: Nach Ablauf des Abonnements verhindert ein Rechtesystem, dass heruntergeladene Musik weiter abgespielt werden kann.

Der Erfolg dürfte vor allem davon abhängen, ob auch die anderen großen Plattenfirmen mitspielen. Denn viele Experten vertreten die Ansicht, dass Verbraucher eine Flatrate nur nutzen, wenn alle Labels ihre Musik beisteuern und der Fundus an Werken so breit wie möglich ist. So hat Sony-BMG zwar Pop-Künstler wie Nena oder Bruce Springsteen unter Vertrag. Andere Größen wie U2 oder Amy Winehouse veröffentlichen jedoch auf Universal, Madonna und die Pet Shop Boys bei Warner Music.

Noch halten sich die anderen Labels jedoch bedeckt und kommentieren das Thema Flatrate nicht. Hinter den Kulissen wird laut Branchenkennern aber eifrig darüber gesprochen, wie sich ein gemeinsames Angebot auf die Beine stellen lässt. Zu klären ist dabei nicht nur, wem welcher Anteil der Nutzungsgebühren zufließt, sondern auch über welche Infrastruktur der Vertrieb erfolgen soll. Hier kommt vor allem I-Tunes in Frage, das nach Apple-Angaben in 22 Ländern der führende Anbieter von kostenpflichtigen Musikstücken im Internet ist.

Lieder aus dem Netz: Legal oder illegal?

Wer Musik oder Hörbücher bei Internet-Plattformen wie I-Tunes oder Musicload erwirbt, bewegt sich rechtlich auf legalem Terrain. Anders ist es in der Regel, wenn Surfer die diversen Tauschplattformen im Netz besuchen und dort Stücke herunterladen. Bis Ende 2007 war zumindest der Download einer Datei erlaubt, sofern sie nicht leicht als Raubkopie erkennbar war. Doch seit Jahresbeginn hat sich die Rechtslage verschärft: Mittlerweile ist bei jeder Datei Vorsicht geboten, wie die Stiftung Warentest auf ihrer Webseite warnt. Dies gelte schon, wenn jemand eine Datei "öffentlich zugänglich" macht, also die Musiktitel seiner legal erworbenen Musik-CD in einer Tauschbörse anbietet. Das reine Kopieren legal erworbener Datenträger wie Musik-CDs ist im privaten Rahmen auch weiterhin erlaubt, wenn dafür kein Kopierschutz umgangen werden muss. Der Käufer einer ungeschützten CD darf die Lieder also beispielsweise auf ein mobiles Abspielgerät übertragen.  

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