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Der Vergleich zwischen den Erben von Leo Kirch und der Deutschen Bank droht zu scheitern.

Platzt Kirch-Vergleich mit Deutscher Bank?

München - Vor zwei Wochen schien es, als könnten die Erben von Leo Kirch und die Deutsche Bank ihren zähen Kampf um Schadenersatz beilegen. Doch der teure Deal droht jetzt zu scheitern.

Es ist nicht der erste Anlauf. Schon mehrfach haben die Deutsche Bank und die Anwälte von Leo Kirch versucht, ihren milliardenschweren Streit um Schadenersatz für die Pleite des Kirch-Medienimperiums 2002 außerhalb von Gerichtssälen beizulegen. Vor zwei Wochen schien es, als hätte es nach zehn Jahren endlich geklappt. Der scheidende Bankchef Josef Ackermann und die Witwe des im Juli 2011 gestorbenen Kirch hätten sich geeinigt, berichteten Medien. Die Bank sollte etwas mehr als 800 Millionen Euro zahlen, die Kirch-Seite im Gegenzug auf alle weiteren Ansprüche verzichten.

Dementiert wurde der Deal von keiner Seite, bestätigt wurde der Vergleich allerdings auch nicht. Nun sieht es so aus, als könnte die Vereinbarung - wie frühere - doch noch platzen.

Widerstand gegen den Deal wächst

Die Gemengelage ist kompliziert, alle Seiten hüllen sich in Schweigen. Dennoch, die Berichte über die Einigung werden weiterhin nicht dementiert, in Finanzkreisen werden die Treffen zwischen Ackermann und der Kirch-Seite recht genau beschrieben. Doch woran hakt es? Vor allem in der Bank soll es Berichten zufolge wachsenden Widerstand gegen den Deal geben. Zu teuer sei die Einigung - und vor allem müsse die Bank nach einem solchen Schritt womöglich ihren früheren Chef Rolf Breuer für die Zahlung haftbar machen. Denn es war Breuer, der vor ziemlich genau zehn Jahren in einem TV-Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs in Zweifel zog - und aus Sicht von Kirch damit den Zusammenbruch des verschachtelten Medienkonzerns auslöste.

Während manche Widerstände in der Bank als Grund für die Schwierigkeiten verantwortlich machen, sehen andere die Verantwortung bei Anwälten der Bank, die aus eigenem Interesse versuchen sollen, einen Deal zu verhindern. Öffentlich will sich niemand dazu äußern. Die Lage ist unübersichtlich, die Interessen ganz und gar verschieden.

Vorbehalte auf beiden Seiten

Laut „Spiegel“ erwägt die Bankspitze gar, die Aktionäre in der Hauptversammlung über einen Vergleich abstimmen zu lassen. In Finanzkreisen heißt es, drei von vier eigens beauftragten Gutachten sprächen sich für den Vergleich aus, nur eines lehne die Einigung ab. Bestätigen will das selbstredend weder die Bank noch Kirchs Sprecher.

Auch auf Seiten der Kirch-Erben soll es Vorbehalte geben, denn die Summe von rund 800 Millionen Euro liege deutlich unter den ursprünglichen Forderungen. In einem früheren Anlauf habe man bereits deutlich mehr zugesagt bekommen, heißt es aus dem Umfeld. Vor Gericht sieht es ohnehin anders aus: Dort geht es um mehr als zwei Milliarden Euro. Zur Not werde weitergeklagt, heißt es. Der seit Jahren tobende Rechtsstreit würde dann weitergehen - Ausgang offen. Seit der Pleite 2002 hat die Kirch-Seite die Deutsche Bank mit einer wahren Prozessflut überzogen.

Vor dem Münchner Oberlandesgericht (OLG) ruht derzeit ein Verfahren, nachdem die Anwälte der Bank Ende 2011 mit einem Befangenheitsantrag den Prozess zunächst stoppten. Eine Entscheidung wird in den kommenden Wochen erwartet - und nach Meinung der meisten Fachleute dürfte das Verfahren weitergehen.

Der Vorsitzende Richter Guido Kotschy hatte während des Prozesses mehrfach betont, dass er beiden Seiten nicht richtig über den Weg traue. Vor allem hat er aber Zweifel an Aussagen Ackermanns und Breuers. In beiden Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft München I wegen versuchten Prozessbetruges.

dpa

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