Escada: Von der Pleite zurück in die Oberliga

München - 2009 rutschte das Münchner Modehaus Escada in die Insolvenz – viele sagten ihm bereits das Ende voraus. Doch die Pleite war ein Neuanfang – dank Restrukturierung und einer der reichsten Familien der Welt.

Das Goldknopf-Image ist angestaubt, der Schuldenberg bei Escada wird immer größer. Als Bruno Sälzer 2008 den Chefposten bei dem Münchner Modehaus übernimmt, fällt sein Urteil mehr als deutlich aus. Ohne komplette Restrukturierung sei das Unternehmen nicht zu retten. Von Insolvenz ist noch keine Rede. Erst als im September Lehman Brothers kollabiert, verschärft sich die Lage. Ein Jahr und einige Rettungsversuche später muss Escada schließlich Insolvenzantrag stellen. Zahlungsunfähig, pleite, das Aus?

Das dachten damals viele. Heute ist die Escada AG auf dem besten Weg zurück in die Gewinnzone. Rund 300 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete das ehemals börsennotierte Modehaus 2011. Unterm Strich? „Wir sind nahe an der 0-Linie“, sagt Sälzer. Escada hat Zweifler eines Besseren belehrt. Das Unternehmen verkauft Luxus-Damenmode in 80 Ländern. Größter Markt sind die USA mit rund 22 Prozent. China und Japan sind die größten Wachstumsmärkte für die Münchner. 2000 Mitarbeiter hat das Unternehmen – etwa 400 am Firmensitz in Aschheim.

„Escada spielt wieder mit in der Oberliga“, sagt Erwin Seitz, Vorsitzender des Marketing-Clubs München. Durch die „mutige Neuausrichtung“ sei die Wende geglückt. Dafür wurde Escada gestern vom Marketing-Club mit dem Münchner Marketing-Preis 2012 ausgezeichnet.

Den erfolgreichen Weg aus der Pleite hat Escada vor allem zwei Köpfen zu verdanken: Bruno Sälzer, der das Unternehmen komplett umkrempelte, und Megha Mittal, die das Ganze finanzierte. Die Milliardärin Mittal, 35, gehört zu einer der reichsten Familien der Welt. Sie setzte sich beim Bieterwettkampf um Escada durch. „Es war wichtig, dass Ruhe in die Eigentümer-Struktur kommt“, sagt Sälzer. „Von Anfang an war klar, dass hier ein langfristiges Interesse besteht.“

Sälzer begann bereits vor der Insolvenz mit dem Umbau des Modehauses. „Am Ende des Tages geht es bei der Mode immer um die Mode“, sagt der 55-Jährige. Der erste Schritt in der Neuausrichtung: der Stil – moderner, innovativer. Die Zielgruppe habe sich dadurch allerdings nicht geändert, sagt Sälzer. „Escada ist eher eine Stil- und Interessensfrage als eine Altersfrage.“ Grundsätzlich ist die Mode aber günstiger geworden. Die Preise wurden gesenkt. „Bei Escada dachte früher jeder an den großen Hollywood-Auftritt. Den hat die normale Frau aber nicht oft“, sagt Sälzer. Der neue Ansatz: Escada für alle Anlässe – Frauen sollen fünf Mal pro Woche Escada tragen.

Nach der Mode nahm sich der 55-Jährige die Läden vor. Ein neues Store-Design – nicht überladen und schwülstig, sondern leicht, verständlich und mit Fokus auf das Produkt. Weltweit wurde bisher ein Drittel aller Läden umgebaut. Einer der ersten war der Flagship-Store an der Münchner Maximilianstraße. Glaskugeln baumeln dort in der Luft, minimalistisch ist die Mode in Szene gesetzt – die Wände glitzern golden.

Überhaupt spielt die Farbe „Gold“ nach wie vor eine wichtige Rolle bei Escada. Sie ist eine Konstante. Goldene Knöpfe waren einst das Image des Modehauses, das 1976 von Wolfgang und Margaretha Ley gegründet wurde und in den 1980er Jahren zum Weltmarktführer für Luxus-Damenmode aufstieg. Margaretha Ley, die das Modehaus nach einem Springpferd benannte, war der kreative Kopf, Wolfgang Ley der geniale Verkäufer. „Glamour, Eleganz, Qualität und Sinnlichkeit. Die beiden haben eine magische Kombi geschaffen“, findet Sälzer. Diese Kombination liege Escada in den Genen. Heute führt das Modehaus eine Goldlinie und eine Silberlinie – die klassische Mode läuft unter Gold, Escada-Sport unter Silber. Gerüchte gibt es auch um die Einführung einer Herrenmode-Linie. „Vermutlich eines Tages, aber nicht jetzt“, sagt Sälzer.

Befürchtungen, die milliardenschwere Eigentümerin habe kein langfristiges Interesse an Escada, haben sich mittlerweile zerstreut. Megha Mittal interessiert sich nicht nur für die Fianzen, sondern auch für die Mode aus ihrem Haus. Zu jeder Kollektion fliegt sie nach München ein.

Manuela Dollinger

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