Pleiten, Pech und Pannen: Im Probelauf patzt die Maut-Technik

- München - Deutschlands Brummifahrer wundern sich. Mal leuchten Hieroglyphen auf dem Display, mal aberwitzige Beträge, mal bricht die gesamte Elektronik zusammen, wenn der Scheibenwischer betätigt wird. Der Testbetrieb des Mautsystems beginnt, wie die Planung endete: mit Pleiten, Pech und Pannen. Der Betreiber verspricht, neue Software zu liefern. Die Zeit wird knapp.

<P>"Wir haben leider kein einziges funktionierendes Gerät, für mich ein schockierendes Ergebnis", sagte der Geschäftsführer einer Aalener Spedition. Kollegen berichten von widersprüchlichen Maut-Buchungen, versagender Technik und Ärger beim Anmelden über die Automaten an Autobahn-Raststätten, wo im Computer schon ganze Städte verschwanden: "ein Riesen-Chaos".</P><P>Der Betreiber Toll Collect will davon nichts wissen. Die Geräte seien "sattelfest und voll in Funktion". Nur "einzelne Probleme" mit falschen Anzeigen werden eingeräumt. Das habe technische Gründe und werde beseitigt, sagte ein Sprecher über den "positiven Start". Nach vorläufigen Angaben gab es am Montag 1500 Probebuchungen an Maut-Terminals, 300 Lkw wurden über das Internet angemeldet und 30 000 eingebaute Bordcomputer ins System geschaltet.</P><P>Toll Collect erläuterte, der Ärger mit den eingebauten Bordcomputern habe vor allem damit zu tun, dass noch nicht alle Teilkomponenten des Systems zugeschaltet seien. Das Hauptproblem bestehe wohl darin, dass das im Führerhaus eingebaute Gerät "mautfrei" angibt, obwohl es per Satellit eigentlich die Gebühren erkennen sollte.</P><P>Erneut wurden die Rufe nach Konsequenzen laut. Der Bundesverband Spedition und Logistik forderte eine Verschiebung der Maut von Anfang November auf den 1. Januar. "Wir haben Riesenprobleme, die sich nicht bis Anfang November beheben lassen werden", sagte Präsident Manfred Boes. Nur etwa jedes dritte Bordgerät funktioniere. Zudem sind 70 000 Geräte eingebaut, rund eine Million würden aber benötigt. Toll Collect will den Start-Termin einhalten.</P><P>Auch Bayerns Verkehrsminister Otto Wiesheu zeigte sich skeptisch: "Die Einführung der Maut entwickelt sich immer mehr zum Verwirrspiel", sagte er. Seinen Bundes-Kollegen Manfred Stolpe empfahl er, die Einführung auszusetzen, bis die Technik ausgereift ist und mit der EU-Kommission alle rechtlichen Fragen geklärt sind.</P><P>Wiesheu, der zu Stolpe gute Kontakte pflegt, äußerte sich vergleichsweise zurückhaltend - Bundeskanzler Gerhard Schröder hingegen soll laut Medienberichten richtig sauer über die erneuten Pannen sein. Er habe Stolpe aufgefordert, härter durchzugreifen. Ein Regierungssprecher deutete lediglich an, dass es mehrfach Gespräche gegeben habe. Das Verkehrsministerium wollte noch keine Bilanz des Test-Starts ziehen, sondern später noch einmal "tief in das System hineinschauen".</P><P>Das dürfte, glaubt man den frustrierten Fahrern, auch nötig sein. Sie fürchten ständige Nachbesserungen in überlasteten Werkstätten und die dadurch bedingten zwangsweisen Standzeiten. Und sollten die versprochenen Ausgleichszahlungen oder Erleichterungen ausbleiben, würden die Maut-Kosten von rund 12,4 Cent pro gefahrenen Autobahnkilometer über kurz oder lang ohnehin wieder auf die Ware umgelegt, sagt einer: "Bezahlen werden es am Ende die Kunden."<BR><BR></P>

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