Pleiten auf Rekordhöhe: Dennoch gibt es erste Lichtblicke

- München - Der Mittelstand in Deutschland hat die Talsohle verlassen und befindet sich am Anfang eines Aufstieges. Sowohl was die Einschätzung ihrer wirtschaftlichen Lage als auch ihre Bereitschaft, Personal einzustellen, betrifft, lässt sich eine Trendwende - wenn auch noch auf niedrigem Niveau - feststellen. Das ergab die Herbstumfrage von Creditreform unter 4044 mittelständischen Unternehmen.

<P>"Der wirtschaftliche Aufschwung scheint sich zu stabilisieren", sagte Helmut Rödl, Vorstand der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, in München. Gut ein Viertel (25,9 %) der befragten inhabergeführten Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten und 50 Millionen Euro Umsatz gab an, dass ihre Geschäftslage "sehr gut" bis "gut" sei. Vergangenes Jahr waren teilten erst 22,7 Prozent diese Auffassung. Umgekehrt verteilten nur noch 14,3 Prozent (Vorjahr: 17,7 %) ein "mangelhaft-ungenügend". Der positive Trend setze sich seit 2002 fort.<BR><BR>Getrübt wird diese leichte Konjunkturerholung durch die anhaltend hohe Zahl von Pleiten. Nach dem Rekord von 39 470 Unternehmensinsolvenzen im vergangenen Jahr, rechne Creditreform für dieses Jahr mit 39 000 bis 41 000 insolventen Unternehmen. Zwar sei die Zahl der Unternehmensinsolvenzen leicht um 1,7 % gesunken. "19 300 Zusammenbrüche im ersten Halbjahr 2004 geben jedoch noch keinen Grund zur Entwarnung", betont Creditreform. Durch die Insolvenzen verloren 650 000 Menschen im vergangenen Jahr ihren Arbeitsplatz, heuer könnten es nochmals 600 000 sein, meinte Rödl. <BR><BR>Dagegen seien durch Neugründungen im ersten Halbjahr 2004 nur 150 000 neue Stellen geschaffen worden. 400 000 Gewerbeeintragungen standen 341 000 Löschungen von Januar bis Juni gegenüber.<BR><BR>Die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen bei den bestehenden Betrieben biete einen "kleinen Lichtblick": 18,1 Prozent gaben an, ihren Mitarbeiterstamm aufgestockt zu haben (2003: 17,1 %). Nur 22 statt zuvor 26,3 Prozent der Mittelständler hatten Personal entlassen beziehungsweise vakante Stellen nicht wieder besetzt. "Ob diese Aussagen ausreichen, im Herbst wieder die Grenze von vier Millionen Arbeitslosen zu unterschreiten mag dahingestellt sein", sagte Rödl. Immerhin sei die Aufwärtsbewegung bereits im Vorjahr zu erkennen gewesen. Die Zahlen für die weitere Entwicklung im Mittelstand, immer noch Deutschlands größter Arbeitgeber, stimmen "positiv". 9,5 Prozent der Betriebe wollen ihren Mitarbeiterstamm aufstocken - nach 7,8 Prozent im Vorjahr. Fast unverändert 70 Prozent der Betriebe wollten ihren Mitarbeiterstand halten, und 19,7 (Vorjahr 22,9) reduzieren. Die wichtigste Botschaft ist, so Rödl: "Wir versuchen Arbeitsplätze zu erhalten.<BR><BR>An harten Zahlen berichteten 26,6 Prozent (zuvor 23,3) der Unternehmen von steigenden Umsätzen. Bei 42,1 (40,1) Prozent sei er stabil und bei 30,7 (36) Prozent gesunken.<BR><BR>Am meisten profitierten verarbeitendes Gewerbe und Export, während Einzelhandel und Dienstleister schwächelten. An der Binnennachfrage hängt alles. Trotz des "Attentismus" und der geringen Investitionsneigung gebe es gute Chancen, dass sich die deutsche Wirtschaft positiv entwickle. "Wir müssen uns was trauen", so Rödl.<BR><BR><BR></P>

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