Pleitenrekord: Krise wird Dauerzustand

- Düsseldorf - Erstmals in der deutschen Wirtschaftsgeschichte droht ein Pleitenrekord von mehr als 100 000 Insolvenzen. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform legte jetzt ihre niederschmetternde Insolvenz-Statistik für das erste Halbjahr 2003 vor. Hauptgeschäftsführer Helmut Rödl betonte: "Die Krise wird zum Dauerzustand." Der Arbeitsmarkt dürfte gleichfalls heftig betroffen sein: Bis zum Jahresende erwartet Rödl den Wegfall von insgesamt 650 000 Arbeitsplätzen durch Firmenpleiten.

<P>Allein die Zahl der Firmenzusammenbrüche werde bis zum Jahresende auf 40 000 bis 42 000 Fälle ansteigen, sagte Rödl. Die Zeiten, da sich bei den Insolvenzen noch die Spreu vom Weizen getrennt habe, seien vorbei. "Jetzt gibt es radikale Einschnitte in die deutsche Unternehmenslandschaft." <BR><BR>Von den 47 800 Gesamtinsolvenzen des ersten Halbjahres betrafen 19 200 Unternehmen in Ost- und Westdeutschland - wobei die Zahl der Pleiten in den neuen Ländern ab- und in den alten zunahm. Die Steigerungsrate gegenüber dem ersten Halbjahr 2002 war mit 4,6 Prozent nicht mehr so krass, wie in den Vorjahren, räumte Rödl ein. Insgesamt verloren in den ersten sechs Monaten rund 330 000 Beschäftigte wegen Insolvenz ihres Arbeitgebers den Job.<BR><BR>"Besorgnis erregend" sei der Anstieg der Verbraucherinsolvenzen in den ersten sechs Monaten 2003 um knapp 50 Prozent auf 13 700 Fälle. Hauptgrund sei die zunehmende Verschuldung der Privathaushalte, die in den neuen Bundesländern mit 27,4 Prozent deutlich höher liege als in den alten, wo nur gut jeder fünfte Haushalt verschuldet ist.<BR><BR>Den volkswirtschaftlichen Schaden der Gesamtinsolvenzen bezifferte der Experte für 2003 auf rund 50 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr lag er bei 24,8 Milliarden Euro. Anders als 2002 gibt es im laufenden Jahr bislang keine Zusammenbrüche großer Unternehmen und Konzerne. Allerdings haben mit Grundig, Wienerwald und Goldzack auch schon drei Traditionsunternehmen Insolvenz angemeldet. Nach wie vor trage der Mittelstand die Hauptlast an den Firmenzusammenbrüchen. </P>

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