Pluspol am Problemmagneten

- München - Die HypoVereinsbank, sagte ein Aktionärsvertreter heuer auf der Hauptversammlung, sei wie ein Magnet. Ein Magnet, der Probleme anzieht. Auch wenn Deutschlands zweitgrößte Privatbank zuletzt manches Problem abgestoßen hat, passt das Bild. Denn wie ein Magnet hat die HVB zwei Pole, die gegensätzlich wirken und doch zusammenhängen. Der Pluspol ist Dieter Rampl.

<P>Der 57-Jährige spricht leise. Er scheint die Schultern zusammenzuziehen, als käme er sich selbst zu breit vor. Und in den meisten Sätzen bricht sich seine bairische Zunge Bahn: "No a moi", sagt er. Und "gmacht". Rampl spricht von seiner Zuneigung zum TSV 1860 München, davon, wie er in der Schwanthalerstraße im Zentrum Münchens aufgewachsen ist und am nahe gelegenen Redaktionsgebäude des "Münchner Merkur" vorbeilief, um die Zeitungen im Aushang zu lesen. </P><P>Beinahe zur bayerischen Regionalbank geschrumpft</P><P>Angesprochen auf seinen österreichischen Pass, erzählt er von seinem Vater aus Tirol und seiner frühen Kindheit in Österreich. So einen vermutet man nicht in der Vorstands-Etage eines Milliarden-Konzerns, schon gar nicht eines Instituts wie der HypoVereinsbank. Es hat nicht viel gefehlt, damit die Großbank im Herzen Europas zur bayerischen Regionalbank geschrumpft wäre.</P><P>Mit dem Platzen der Börsenblase geht der HypoVereinsbank die Luft aus. 2002 schreibt der Konzern zum ersten Mal Verluste, das magere Eigenkapital macht die Rating-Agenturen nervös und der Aktienkurs stürzt ab. "Herr Schmidt hat maßgeblich den Untergang des Unternehmens verursacht", wird ein Kleinanleger gut ein Jahr später auf der Hauptversammlung schimpfen. Albrecht Schmidt war Vorstandsvorsitzender der Bank, als sie in die tiefste Krise ihrer Geschichte rutschte. </P><P>Er trat ab und machte sich dann zum Aufsichtsrats-Chef, zum wichtigsten Kontrolleur seines Nachfolgers. Für die Kleinaktionäre ist das ein Treppenwitz und Schmidt der Minuspol der HypoVereinsbank. "Wenn sich jemand mit der Überwachung auskennt, dann er", spottet ein Aktionärsvertreter. "Denn er hat ja zum Entstehen der meisten Probleme selbst beigetragen." Und ebenso wie sie Schmidt beschimpfen, loben die Aktionäre Rampl: "Wir haben heute eine ganz andere Bank als vor einem Jahr."</P><P>"Gut", sei das Verhältnis zu Schmidt, sagt Rampl, um einige Augenblicke später zu argumentieren: "Wir haben alles, was wir machen mussten, gemeinsam umgesetzt." Und er zählt Projekte auf: Abspaltung des gewerblichen Immobiliengeschäfts in die Hypo Real Estate, Verkauf der Norisbank, der Bank von Ernst, Teil-Börsengang der Bank Austria, Verkauf von Anteilen an Münchener Rück sowie Allianz und schließlich die Kapitalerhöhung in Höhe von drei Milliarden Euro in diesem Frühjahr; Aufräumarbeiten, die Rampl übernommen hat. "Das Verhältnis ist, wie es sich gehört zwischen einem Aufsichtsrats-Vorsitzenden und einem Vorstand: Harte Diskussionen in der Sache. Aber am Ende haben wir all die Themen zusammen durchgezogen." </P><P>Auch den Abbau von tausenden Stellen und viele Filialschließungen. Nach den Umstrukturierungen war die Eigenkapitalquote auf mehr als sieben Prozent gestiegen und die Rating-Agenturen benoteten die HVB mit dem erhofften stabilen A-. "Wären wir auf BBB gestuft worden, hätten wir manche Geschäfte auf internationaler Ebene nicht mehr in der bisherigen Form machen können", erklärt Rampl. Um das zu verhindern, hätte er auch die Vereins- und Westbank verkauft oder die Fondsgesellschaft Activest. Heute habe er "keinen Anlass, darüber nachzudenken". Die HVB ist eine Großbank geblieben, aber ihr Chef muss feststellen: "Eine Bank wieder richtig aufzustellen, dauert halt länger als zwölf Monate."</P><P>Im ersten Quartal 2004 stand zwar wieder ein Gewinn von 53 Millionen Euro. Damit verdiente das Institut aber weit weniger, als es Analysten erwartet hatten. "Ich war auch enttäuscht", gibt Rampl zu. Die Industrie warte auch jetzt noch immer mit Investitionen und gerade der bayerische Mittelstand schiebe Entscheidungen für Finanzierungen hinaus. Aber die HVB sei strategisch wieder richtig aufgestellt. "Jetzt geht es ans operative Geschäft." Rampl bleibt bei dem Ziel, für heuer den Ertrag deutlich zu steigern und die Kosten stabil zu halten. </P><P>Ob er es erreicht, werden wohl schon die Zahlen des gerade beendeten dritten Quartals zeigen. So oder so wird er das Institut weiter führen. Sein Vertrag wurde vorzeitig bis 2007 verlängert. Dann will der Bank-Manager, der einst für die Vereinsbank in New York eine Filiale mit aufbaute und in Florida ein Ferienhaus besitzt, reisen und mehr Zeit für seine Familie haben. Bis dahin hat er aber in dem Finanzkonzern viel zu tun.</P><P>In Deutschland hat das Institut kurzfristig nicht viel Spielraum, den Marktanteil im Privatkundengeschäft von 5 Prozent zu vergrößern. Ein Anteil von zehn bis 15 Prozent gilt aber als Voraussetzung für lukratives Geschäft. Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben 70 Prozent des deutschen Marktes im Griff. Und auch mit der Postbank, deren zehn Millionen Privatkunden eine ideale Ergänzung für die HVB wären, kommen die Münchner vorerst nicht zusammen. </P><P>Rampl setzt auf Expansion im Osten</P><P>Die Deutsche Post hält noch die Mehrheit. "Momentan ist da Ruhe eingekehrt", sagt Rampl. Er setzt auf Expansion im Osten. In Österreich ist man die Nummer eins, in Osteuropa zählt man zu den Großen im Markt. "Und wir verdienen dort gutes Geld." Das könnte Begehrlichkeiten bei Bank-Riesen aus dem Ausland wecken. "Machen wir uns nichts vor", sagt Rampl. "Die Marktkapitalisierung der HypoVereinsbank ist heute weniger als der Jahresgewinn einer Citigroup. Da würde es mich nicht wundern, wenn einige Interesse an der HVB haben könnten." Und das ist sein Verdienst.</P>

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