Poker mit dem Heizölhändler

- München/Hamburg - Der Sommer ist vorbei, morgen ist Herbstanfang. Doch auf den kommenden Winter mögen sich wohl viele noch so gar nicht freuen. Vor allem dann nicht, wenn sie in ihren Hauskellern vor leeren Öltanks stehen. Mehr als 60 Euro müssen derzeit für 100 Liter Heizöl berappt werden. Damit ist der Preis nicht mehr weit von den Rekordständen entfernt. Dennoch raten Experten ihren Kunden, sich vor der Heizperiode und dem Wintereinbruch ausreichend mit Brennstoff zu versorgen.

Die Vorräte in den deutschen Heizungskellern liegen laut den Händlern immer noch deutlich unter dem langjährigen Mittelwert. Bei einem herbstlichen Kälteeinbruch könnte es deshalb im Handel zu Lieferengpässen und weiter steigenden Preisen kommen. Dabei hatten sich die Verbraucher ja genau wegen der hohen Ölpreise in den vergangenen Monaten mit Käufen zurückgehalten, hatten ihre Tanks oft bis auf kleine Restbestände leer laufen lassen oder allenfalls kleinere Mengen angefordert.

Der Nachteil: Der Literpreis ist höher als bei größeren Partien. "Wir empfehlen dennoch, nur so viel Heizöl zu kaufen, dass es über den Winter ausreicht", sagt Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst EID. Im kommenden Jahr könnten sich die stark überhitzten Ölmärkte wieder entspannen und dann würden automatisch auch die Heizölpreise sinken.

Rechtzeitig auftanken: So lautet die Devise beim Landesverband Bayerischer Haus-, Wohnungs- und Grundbesitzer Haus & Grund. Denn nach jetziger Lage sei nicht davon auszugehen, dass die Heizölkosten sinken werden, sagte die Vorsitzende Dr. Ulrike Kirchhoff. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich mit genügend Heizöl eindecken, wer pokert, könne kleinere Mengen kaufen. "Es ist im Augenblick ein Lotteriespiel", sagt Ulrike Kirchhoff.

Wie alle hoffe natürlich auch der Landesverband, dass sich der Heizölmarkt im kommenden Jahr wieder beruhigt. "Es kann sein, dass die Preise wieder nach unten gehen, aber sicher nicht auf das Ausgangsniveau." Die enorme Preisentwicklung sei auch im Verband ein großes Thema, verstärkt gingen auch deshalb in jüngster Zeit Anfragen zu möglichen Energiesparmaßnahmen ein. Meistens gehe es dabei um neue Heizungsanlagen und eine ausreichende Dämmung. Neben dem Verweis auf die Energieberater vor Ort gibt der Landesverband einen allgemeinen Tipp: Da bei größeren Mengen die Preise niedriger sind, sei es günstig, wenn sich mehrere Nachbarn bei der Lieferung zusammentun.

Wie sich die Heizöl-Preise im Winter nun letztlich entwickeln werden, das können auch Experten nicht vorhersehen. Nach zwei Wochen mit rückläufigen Preisen sorgte der Tropensturm "Rita" in dieser Woche für stark schwankende Notierungen auf den internationalen Märkten für Rohöl und Ölprodukte. Am gestrigen Mittwoch ließ der Hurrikan den Ölpreis wieder um mehr als einen Dollar auf über 67 Dollar pro Barrel steigen. Damit wendete sich der am Dienstag durch einen Opec-Beschluss ausgelöste Trend zu fallenden Preisen.

Generell bereiten sich die Raffinerien in Europa nun auf den Winter vor und produzieren bald weniger Benzin, dafür mehr Heizöl und Dieselkraftstoff. Bei einem milden Winter könnten die Heizölpreise stabil bleiben oder sogar sinken. Die meisten Heizöl-Händler halten eine solche Entwicklung allerdings für unwahrscheinlich.

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