Poker um Köhler-Nachfolge beim IWF beginnt

- Washington - Der abrupte Abgang von Horst Köhler hat im Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Machtvakuum geschaffen, auf das die Mitglieder gerne verzichtet hätten.

<P>Die meisten waren mit dem Deutschen im Chefsessel zufrieden und nach dem monatelangen Gerangel bei Köhlers Ernennung vor vier Jahren auf ein neues Postenschachern alles andere als vorbereitet.</P><P>Köhler zeigte sich am Tag seiner Ernennung zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten selbst von den Ereignissen überrollt. "Ich habe heute zur Kenntnis nehmen müssen, dass ich sofort zurücktreten muss", sagte er vor der Presse. Das sahen die Statuten der Organisation vor. Die Geschäfte führt seitdem seine Stellvertreterin Anne Krueger (70). Wer aber langfristig Köhlers Nachfolge antreten soll, müssen die 184 Mitgliedsländer des IWF untereinander aushandeln.</P><P>Niemand hat sich offiziell mit einem Kandidatenvorschlag vorgetan, aber Franzosen, Briten, Spanier und Italiener sind hinter den Kulissen aktiv. Paris macht sich für Köhlers Nachfolger an der Spitze der Osteuropabank in London, Jean Lemierre, stark. Spanien hält seinen Finanzminister Rodrigo Rato für geeignet und die Italiener nennen den ehemaligen Ministerpräsidenten Giulio Amato.</P><P>Die Briten bringen den ehemaligen Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, Andrew Crockett, ins Gespräch. Ein Bericht der Zeitung "The Guardian", dass Finanzminister Gordon Brown zu den aussichtsreichsten Kandidaten gehöre, wurde vom Finanzministerium jedoch als pure Spekulation bezeichnet.</P><P>Köhler selbst wollte sich zu der Nachfolgefrage eigentlich nicht äußern. Aber dann meinte er: "Es gibt keinen Zweifel, dass es außer Horst Köhler noch andere Deutsche gibt, die diesem Job gewachsen sind." In Washington wird der Name von Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser genannt. Koch-Weser war schon vor vier Jahren erste Wahl der Bundesregierung, doch lehnten die Amerikaner den Deutschen ab. Der IWF-Posten wird immer im Einvernehmen aller vergeben. Die USA sind aber mit rund 17 Prozent größter Anteilseigner und gegen ihren Wunsch läuft nichts.</P><P>Auch wenn die IWF-Mitglieder einen peinlichen Streit wie bei der Ernennung Köhlers eigentlich vermeiden wollen, sind Debatten vorprogrammiert. Die Vergabe an einen Briten oder Spanier könnte als "Belohnung" der Amerikaner für die Unterstützung Londons und Madrids im Irak-Krieg ausgelegt werden, fürchten manche Beobachter.</P><P>Mit der bevorstehenden EU-Erweiterung dürften aber auch Mittel- und Osteuropäer Ansprüche erheben. Der Name des polnischen Notenbankchefs Leszek Balcerowicz fällt zum Beispiel. Und Afrikaner und Asiaten sehen auch schon lange nicht mehr ein, dass der IWF- Posten nach einer ungeschriebenen Regel von einem Europäer besetzt werden muss, während die USA den Präsidenten der Weltbank stellen. "Es wäre in jedermanns Interesse, diese überholte Regel abzuschaffen", sagte Morris Goldstein vom Washingtoner "Institute for Internatinal Economics" der Finanzagentur Bloomberg.</P><P>In Washington wird auch der Name der ehemalige Nummer Zwei des IWF wieder ins Gespräch gebracht: Stanley Fischer, heute Spitzenmanager der amerikanischen Citigroup, leitete den IWF im Jahr 2000 im Machtvakuum zwischen Köhler und seinem Vorgänger Michel Camdessuss vier Monate lang.</P>

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