Poker um Steuergeschenke: Zieht Pharmariese nach Bayern?

- Holzkirchen/Wien - Bislang waren es in erster Linie deutsche Unternehmen, die ihren Sitz ins Ausland verlagern wollten. Nun könnte der Schweizer Pharmariese Novartis den entgegengesetzten Weg gehen. Diesen Monat wird über den künftigen Standort seines bislang in Wien ansässigen Tochterunternehmens Sandoz entschieden. Zur Wahl stehen Wien, Basel und Holzkirchen. Sandoz pokert um die besten Steueranreize aus den drei Ländern.

<P>Sandoz ist einer der führenden Hersteller von Generika. Das sind Medikamente, die Arzneimittel nachahmen, deren Patentschutz abgelaufen ist. Im vergangenen Jahr erzielte Sandoz einen Umsatz von etwa 2,375 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von über 180 Millionen Euro. Durch die geplante Fusion mit dem bayerischen Generika-Konzern Hexal, der zuletzt auf etwa 1,3 Milliarden Euro Umsatz kam, wird Sandoz zur weltweiten Nummer eins der Branche. Im Rahmen der Neuorganisation erwägt das Unternehmen auch eine Verlagerung seines Firmensitzes, wie Sandoz-Chef Andreas Rummelt in der "Financial Times" ankündigte. Bislang ist die Firmenzentrale in Wien angesiedelt. 115 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Und die könnten künftig auch in Basel oder in Holzkirchen (Landkreis Miesbach) 30 Kilometer südlich von München sitzen. Noch attraktiver dürften die Steuereinnahmen sein, die sich die künftige Heimat des Milliarden-Konzerns versprechen kann. Doch die will der Konzern mit der offenen Ausschreibung seines Standortes drücken.<BR><BR>Diesen Monat werde man sich entscheiden, wo die Zentrale des Unternehmens angesiedelt wird. Er warte ab, welche Steueranreize und weitere Förderungen die konkurrierenden Länder unterbreiten, sagte Rummelt. Der Sandoz-Chef lobte die niedrigen Steuersätze in Österreich und nannte die Nähe zu Produktionsstätten sowie das bisherige Hauptquartier als Argumente für Wien. Für Basel spreche die Nähe zur Konzernmutter Novartis, die dort nicht nur ihren Firmensitz, sondern auch Forschungs- und Entwicklungsstätten unterhält. Holzkirchen ist wegen des dortigen Sitzes von Hexal im Rennen. Zudem spreche die Tatsache, dass Deutschland der zweitgrößte Generika-Markt der Welt ist, für den Standort, ergänzte ein Sandoz-Sprecher. Man verhandle "mit allen Behörden, die Befugnisse haben an diesen Standorten".<BR><BR>Unternehmensintern wird bei Sandoz gemutmaßt, dass es in erster Linie um einen Wettkampf zwischen Österreich und Deutschland geht. Als künftigen Sandoz-Standort könne sich das Management sowohl Holzkirchen als auch Wien vorstellen, urteilte Betriebsrat Hermann Egger gegenüber dieser Zeitung. "Der künftige Standort muss auf alle Fälle eine zentrale Verbindung in alle Länder haben."<BR><BR>Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu zeigte sich zuversichtlich bezüglich der Standortfrage: "Ich bin der Meinung, dass wir in diesem Thema ganz gute Karten haben", sagte er gegenüber dieser Zeitung. "Bayern bietet exzellente Voraussetzungen gerade als Standort für Wissenschaft und Forschung. Es sind beste Voraussetzungen gegeben, wenn es darum geht, qualifiziertes Personal im Pharmabereich zu akquirieren." Eine Ansiedlung von Sandoz in Bayern wäre "hoch willkommen".<BR><BR>Unabhängig davon, wo die Firmenzentrale angesiedelt wird, soll der Hexal-Standort Holzkirchen erhalten bleiben, betonte der Sandoz-Sprecher. Andreas Rummelt hatte in der "Financial Times" auch Produktionsstandorte in Frage gestellt. "Wir werden 43 Fabriken haben. Das ist mehr als wir brauchen."</P>

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