VW pokert um Scania: Muss jetzt MAN-Chef Samuelsson gehen?

- München - Gibt Erfolg den Ausschlag, dann dürfte Håkan Samuelsson einen der sichersten Jobs unter Deutschlands Chefs haben. Er war zunächst Nutzfahrzeuge-, dann Konzernchef bei MAN, als sich der behäbige Münchner Mischkonzern zu einer Ertragsperle mauserte. Dennoch muss der Schwede nun zittern.

"Der Spiegel" zumindest berichtet, der MAN-Hauptaktionär VW plane zunächst die Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat zu ändern und dann Samuelsson zu feuern um so den Weg zu einer Fusion mit Scania zu ebnen.

Industriepolitisch macht das durchaus Sinn. Der MAN-Chef, einst hochrangiger Scania-Manager, hat mit seinen Übenahme-Offerten an die Schweden für böses Blut gesorgt. Insbesondere Scania-Boss Leif Östling und die Großaktionärsfamilie Wallenberg wehrten sich mit allen Kräften dagegen, von einem Konzern, den ihr früherer Mitarbeiter Samuelsson führt, geschluckt zu werden. Mit einem Wechsel wäre ein großes Hindernis auf dem Weg zur Fusion beiseite geräumt.

Volkswagen will diese Fusion um beinahe jeden Preis durchziehen. Nicht umsonst haben sich die Wolfsburger durch Käufe zum größten Einzelaktionär sowohl von Scania und MAN gemacht. Kommt es zum Zusammenschluss, könnte Volkswagen sein lateinamerikanisches LKW-Geschäft dem neuen Nutzfahrzeug-Giganten als Mitgift unterjubeln. Denn nur in dieser Region ist Volkswagen nicht nur als Produzent von Transportern und Kleinlastwagen im Geschäft, dort tragen in Brasilien gefertigte riesige Lastzüge das Markenzeichen aus Wolfsburg.

Kommt es zu dem neuen Nutzfahrzeug-Riesen, wäre der Konzern mit drei Marken unterwegs, die in ihren Märkten einen guten Namen haben und die man kaum aufgeben kann. Scania, MAN und VW könnten eigenständig weiterexistieren. Durch Synergien etwa bei der Entwicklung oder durch die Fertigung von Gleichteilen könnten im erheblichen Umfang Kosten eingespart werden. Dabei kommt es für VW nicht darauf an, ob dies unter dem Dach von MAN geschieht, wie Samuelsson es plante, oder in einem Konzern, in dem Scania das Sagen hat.

Dass Volkswagen unter dem zunehmenden Einfluss des Porsche-Sprosses Ferdinand Piëch auch mit erfolgreichen Managern, die nicht mehr ins strategische Konzept passen, kurzen Prozess macht, ist in jüngster Zeit gleich zweimal bewiesen worden. Sowohl Konzernchef Bernd Pischetsrieder als auch VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard mussten ihren Hut nehmen, obwohl das von ihnen begonnene Sanierungskonzept zu greifen begann.

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