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Millionen Versicherungskunden können sich Hoffnung machen, mehr Geld aus aufgelösten Lebens- und Rentenversicherungsverträgen zurückzubekommen.

Urteile zum Policen-Rückkauf

Versicherte können auf Geld hoffen

Millionen Versicherungskunden können sich Hoffnung machen, mehr Geld aus aufgelösten Lebens- und Rentenversicherungsverträgen zurückzubekommen.

Nach den jüngsten Urteilen des Landgerichts Hamburg über drei Musterklagen dürfen Versicherungen nicht mehr die vollen Abschlusskosten berechnen, wenn ein Kunde vorzeitig aus dem Vertrag aussteigt. In dem Rechtsstreit geht es darum, welche Provisionen und Gebühren ein Versicherer verlangen darf, wenn ein Kunde einen Vertrag vorzeitig auflöst. In vielen Fällen bekommen Versicherte auch dann kein oder nur wenig Geld zurück, wenn sie bereits mehrere tausend Euro eingezahlt haben. Oft dauert es mehrere Jahre, bis ein Kunde einen positiven Rückkaufwert erreicht, weil die Gesellschaften zu Vertragsbeginn alle Kosten, zum Beispiel Provisionen, berechnen.

Laut Florian Overbeck vom Bund der Versicherten seien jährlich etwa vier Millionen Versicherungskunden betroffen, somit gehe es seit 2001 um rund zwölf Milliarden Euro. Er geht ebenso wie Edda Costelló von der Verbraucherzentrale davon aus, dass die Versicherungsgesellschaften die Urteile anfechten werden und erst der Bundesgerichtshof in etwa anderthalb bis zwei Jahren entscheiden wird. Die betroffenen Verbraucher sollten bis dahin aber aktiv werden.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Welche Versicherungskunden sind betroffen?

Wer zwischen 2001 und 2007 eine Kapitallebens- oder private Rentenversicherung abgeschlossen und aufgelöst hat, profitierte bislang weder vom Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) für ältere Verträge noch von der seit 2008 geltenden gesetzlichen Regelung. Die Versicherungsgesellschaften erheben für Verträge aus dieser Zeitspanne gleich zu Beginn der Vertragslaufzeit Gebühren und Provisionen, die mit den Beiträgen der ersten Jahre verrechnet werden, sagte Costelló.

Wie wirken sich die Abschlusskosten aus?

Es kann passieren, dass ein Kunde nach drei Jahren seinen Vertrag kündigt, aber keinen Cent zurückbekommt, weil die Abschlusskosten höher sind als die Einzahlungen. Oft verlieren Kunden auf diese Weise tausende von Euro.

Wie hoch sind die Abschlusskosten in der Regel?

Nach Angaben der Verbraucherschützerin berechnen die Gesellschaften mindestens vier Prozent der Versicherungssumme. „Das geht aber auch schon mal bis auf zwölf Prozent hoch“, sagt sie. Ein Kunde müsste bei diesem Prozentsatz für eine private Rentenversicherung über 100 000 Euro zunächst 12 000 Euro an Gebühren bezahlen, bevor sich das Geld langsam durch Zinsen wieder vermehrt. 76 Prozent der Verträge mit 30 Jahren Laufzeit werden laut Castelló vorzeitig beendet – ein schlechtes Geschäft für den Verbraucher.

Was können Versicherungskunden jetzt tun?

„Das allerwichtigste ist, dass die Leute an ihre Versicherung schreiben: ,Ich will mein Geld zurück!‘“, rät Costelló. Ein Musterbrief findet sich auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg (www.vzhh.de). Die Versicherer würden nicht von sich aus auf die Kunden zugehen. „Die Strategie ist Aussitzen und auf Verjährung hoffen.“

Welche Fragen sind bei der Verjährung noch offen?

Die große Frage ist, ab welchem Zeitpunkt die Verjährungsfrist läuft. Ob der Vertragsabschluss oder das Urteil vom vergangenen Freitag gilt, muss noch höchstrichterlich entschieden werden, erklärt die Verbraucherschützerin.

Wie viel Geld können die Kunden erhoffen?

Nach dem Urteil des Landgerichts Hamburg gelten laut Castelló für die drei Musterklagen die erst seit 2008 vorgeschriebenen 85 Prozent der eingezahlten Beiträge. Nach der Entscheidung des BGH für die Fälle vor 2001 müssen die Versicherer mindestens 50 Prozent zurückerstatten. Nach Einschätzung der Verbraucherschützerin werden die erstatteten Beträge irgendwo dazwischen liegen.

Was bedeutet das Urteil für die Versicherer?

Bei rund vier Millionen neu abgeschlossenen Verträgen im Jahr geht es für die Versicherungsgesellschaften um rund zwei Milliarden Euro an Gebühren pro Jahr, wie Costelló vorrechnet. Die Unternehmen könnten also größere Einbußen erleiden, wenn sie deutlich weniger von den derzeitigen Gebühren kassieren dürften.

Philipp Heinz

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