Poliere sollen Fahnder werden

- München - Die Umstände, die ihn ums Amt brachten, waren wenig erfreulich. Man könnte meinen, Bernhard Jagoda, ehemaliger Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, blickt im Zorn zurück. Tut er aber nicht. Teile der Hartz-Reform findet er sogar richtig. Sie gingen ein in ein Thesenpapier, das Jagoda in der Munich Business School vorstellte. Darin bringt er auch eigene Vorschläge zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Er warnt aber vor zu hohen Erwartungen. "Ein Patentrezept gegen die Arbeitslosigkeit gibt es nicht."

<P>Neben Jagoda und Richard Wanka (Ex-Präsident des Landesarbeitsamts Bayern) haben Vertreter privater Hochschulen und der Ex-Grundig-Chef Herbert Bruch an den Thesen mitgewirkt, die über bisherige Vorschläge hinausgehen. Kernpunkte:<BR> Arbeitslose mit entsprechendem beruflichen Hintergrund, etwa ältere Poliere, sollen als Experten zur Bekämpfung der Schwarzarbeit eingesetzt werden. Bei entsprechenden Modellprojekten haben diese Fahnder, so Wanka, das Viereinhalbfache ihrer Kosten wieder hereingebracht.<BR><BR> Jagoda hält maßgeschneiderte Arbeitszeiten für einen Beschäftigungsmotor. Was Arbeitnehmer wollen und Betriebe brauchen, soll Maßstab sein, nicht pauschale Wochenarbeitszeiten. Bei Teilzeitarbeit habe Deutschland Nachholbedarf.<BR><BR> Durch Lebensarbeitszeitkonten soll das Problem der Frühverrentung bekämpft werden: Mehrarbeit und nicht genommener Urlaub können für einen früheren Rentenbeginn gespart werden. Die Ausschöpfung der Lebensarbeitszeit müsse, so Wanka, Vorrang vor Zuwanderung haben.<BR><BR> Lohn für Eigeninitiative: Wer nach einer Kündigung selbst und nahtlos einen neuen Job findet, bekommt nach Jagodas Vorschlag eine Prämie von 1500 Euro.<BR><BR> Noch mehr Geld, nämlich drei Monate gespartes Arbeitslosengeld, soll bekommen, wer bereit ist, für einen neuen Job umzuziehen. Dies soll die Kosten durch einen Umzug (Maklergebühren, Mietkaution) abfedern.<BR> Bei der Ausbildung wünscht sich Jagoda gestufte Modelle. Nach erreichtem Teilziel könnte ein Lehrling erst weiterarbeiten, bevor er sich weiterqualifiziert. Doch die Stufen müssen die Vollausbildung zum Ziel haben.<BR><BR> Bewerber die mehrere Ausbildungsverträge unterschreiben, schaden anderen, die leer ausgehen. Bei einer frühzeitigen Eintragung der Verträge bei den Kammern würden diese Fälle auffliegen. Viele Betriebe schieben das bis Ende der Probezeit auf, um Gebühren zu sparen. Der Vorschlag im Thesenpapier: Auch bei früherer Eintragung muss erst nach bestandener Probezeit gezahlt werden. Wanke weiß von einem Lehrling der elf Verträge unterschrieben hat, von denen er aber nur einen antreten konnte. "Da gingen mindestens fünf Ausbildungsplätze verloren", sagt er.</P>

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