Politik und Öl drücken die Stimmung

- Nürnberg - Politische Verunsicherung und die hohen Ölpreise haben der Verbraucherstimmung im September einen gehörigen Dämpfer verpasst. Wie aus der Konsumklimastudie des Nürnberger Marktforschers GfK hervorgeht, blicken wieder mehr Menschen skeptisch in die Zukunft als im Vormonat.

Vor allem die Einschätzung der persönlichen Einkommenssituation und die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen hätten sich nach einem Zwischenhoch wieder verschlechtert. "Mit ihren Halbwahrheiten und unvollständigen Informationen haben die Politiker im Wahlkampf gehörig zur Verunsicherung der Verbraucher beigetragen", erklärt GfK-Marktforscher Rolf Bürkl. Nach einem auf 3,3 Punkte revidierten Konsumklimaindex für September erwarten die Konsumforscher für Oktober einen Wert von 3,1.

Gerüchte über Streichlisten aus dem Finanzministerium hätten im September ebenso für Angst und Nervosität unter den Verbrauchern gesorgt wie Diskussionen über eine radikale Steuerreform und eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. "Das war in der Endphase des Wahlkampfes alles sehr zugespitzt und verwirrend", beschreibt Bürkl.

Entsprechend verschlechterte sich der Indikator für die persönliche Einkommenserwartung um 1,1 auf minus 11,7 Punkte. Verantwortlich hierfür sind laut GfK-Studie ausschließlich die Bürger in den neuen Bundesländern. In diesen einkommensschwächeren Haushalten sei vor dem Hintergrund der stetig ansteigenden Benzin- und Heizölpreise die Angst vor weiteren Einschnitten in die soziale und finanzielle Sicherheit stark gewachsen. In den alten Bundesländern habe sich die Stimmung indes kaum verändert.

Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung in Deutschland habe sich im September auch auf die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen ausgewirkt. Die Verbraucher zogen es angesichts widersprüchlicher Politiker-Aussagen im Wahlkampf vor, ihren Geldbeutel zu zu lassen, erklärt GfK-Forscher Bürkl. Der Index für die Anschaffungsneigung verschlechterte sich entsprechend um 8,9 Punkte auf minus 13,4. Diese Entwicklung gehe wiederum ausschließlich auf das Konto der alten Bundesländer, hieß es in Nürnberg.

Auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint der wachsende Glaube der Verbraucher an eine konjunkturelle Erholung im Land: Der entsprechende Indikator legte um mehr als 7 Punkte auf minus 4,5 zu. "Die Menschen befürchten zwar wegen der Reformen eine Verschlechterung ihrer persönlichen Situation. Sie gehen aber gleichzeitig davon aus, dass die Reformen für die deutsche Wirtschaft positiv sind", erklärt Bürkl.

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