Politische Börse hält Anleger fern

- Frankfurt/München - Unsicherheit ist Gift für die Börse. Deshalb reagierten die Aktien-Anleger enttäuscht auf den Wahlausgang, der keine Klarheit brachte. Der Tag danach begann mit Verkäufen auf breiter Front. Die anfänglichen Verluste von über 100 Dax-Punkten konnten allerdings im Tagesverlauf wieder verringert werden. Doch bleiben viele Zweifel. Unklar ist vor allem, wie die ausländischen Investoren reagieren werden.

Kurzfristig gilt wohl die alte Regel, dass politische Börsen kurze Beine haben. Die schockartigen Abverkäufe wurden schnell verdaut. Offenbar hatten viele Investoren ohnehin das Pulver bis nach dem Wahlausgang trocken gehalten. So war der Abgabedruck gar nicht so groß wie vermutet. Die Aktien der zweiten Reihe lagen gegen Mittag sogar im Plus. Auch der Tec-Dax, in dem technologieorientierte Aktien zusammengefasst sind, legte zu. Auffällig waren die stärkeren Verluste bei den Versorgeraktien. Diese hatten in den Monaten vorher als "Merkel-Papiere" überdurchschnittlich profitiert. Ansonsten kaufte man eben statt Aktien lieber festverzinsliche Papiere. Der entsprechende Index zog jedenfalls an. So weit, so schlecht.

Das Problem sind nicht die Verkäufe, die wohl im ersten Moment zurückgehalten wurden. Man weiß, dass die großen internationalen Dax-Unternehmen ihre Erträge überwiegend im Ausland erwirtschaften und vom Verlauf der deutschen Binnenkonjunktur nicht entscheidend abhängig sind. Deshalb hielten sich die Verkäufe in Grenzen. Solange die globale Gewinnentwicklung dynamisch bleibt und wichtige charttechnische Unterstützungslinien halten, sehen die meisten Marktbeobachter den langfristigen Trend nicht in Gefahr. Es geht vermutlich unter Schwankungen längere Zeit seitwärts. Das wäre wohl kein Unglück.

Entscheidender ist die Frage, wie nun neue Gelder mobilisiert werden sollen. Frisches Geld war und ist das Schmiermittel der Börse. Wenn der Nachschub unterbrochen wird und die Trends stocken, keimt sofort die Sorge um die erreichten Gewinne auf. Deshalb muss nicht nur gefragt werden, warum verkauft wurde, sondern auch, warum nicht gekauft wird.

Wäre die politische Patt-Situation aufgelöst worden, würde der Dax in Richtung 5200 oder 5400 nach oben marschiert sein, vermutet die Prognosefirma Cognitrend. Das war die Spanne, in der auch neue Käuferschichten an die Börse hätten herangeführt werden können, da dann der Durchbruch als abgesichert gegolten hätte.

Auf dieses Szenario deuten auch die vielen geplanten Neu-Emissionen hin, die für den Herbst dieses Jahres schon angekündigt sind. Beides ist nun in Gefahr.

Es wird schwieriger werden, neue, bislang zurückhaltende Anleger zum Aktienkauf zu motivieren. Und die Zahl erfolgreicher Börsendebüts dürfte kleiner werden als bei einer eindeutigen politischen Konstellation mit anspringender Binnenkonjunktur. Zünglein an der Waage spielen die ausländischen Investoren, deren Verhalten wohl erst nach dem 2. Oktober eindeutiger wird. Bislang überwiegen die skeptischen Kommentare.

Sollte allerdings nach der Dresdner Nachwahl das Gezeter aufhören, und der Markt immer noch nicht spürbar gesunken sein, wäre die politische Karte ausgereizt. Einer Rückkehr in den Aufwärtstrend stünde dann nichts mehr im Wege. Denn schon Abraham a Santa Clara wusste: Sitzt die Maus am Speck, piepst sie nicht ...

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