Polizei und Katastrophenhelfer: Steinzeit-Funk zur Fußball-WM

- München - Kein Anschlag, keine Katastrophe: Trotz weltweiter Terror-Gefahr sind die Olympischen Spiele in Athen, soweit es die Sicherheit betrifft, ruhig verlaufen. Die Folge auch von 1,2 Milliarden Euro, die sich die Griechen diese Sicherheit kosten ließen. 2006 zur Fußball-WM in Deutschland sehen Experten schwarz. Weil die öffentlichen Hände sparen müssen, sind Verbrecher und Terroristen technologisch im Vorteil.

<P>Ordner in den Stadien funken bereits digital</P><P>So musste mittlerweile Bundesinnenminister Otto Schily einräumen, dass in Deutschland bis 2006 kein flächendeckender digitaler Behördenfunk bestehen wird, wie ihn alle Nachbarländer vorbereiten oder bereits eingeführt haben. Allenfalls Insel-Lösungen - etwa in den Stadion-Orten - sind denkbar, wie auch die möglichen Betreiber eines solchen Netzes einräumen. Dies allerdings nur, wenn jetzt zügig ausgeschrieben wird. Doch ein Terminplan dafür liegt nicht fest.</P><P>Und selbst falls die Zeit reicht, ist nicht sicher, ob das System in Betrieb gehen darf. Zahlreiche Sicherheitsexperten halten es für falsch, auf zwei unterschiedliche Kommunikationstechnologien zurückzugreifen. Das aber geschieht ohnehin: Während die Ordnerdienste in den meisten Stadien, aber auch an Großflughäfen mit Digitaltechnik funken, wie Arne Schönborn von EADS-Telekom bestätigt, sind Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz auf Methoden der funktechnischen Steinzeit angewiesen.</P><P>Die digitale Technik ist unbestritten im Vorteil, sie bietet, so Schönborn, nicht nur eine bessere Sprachqualität. Sie ermöglicht wirklich abhörsichere Verschlüsselung und, falls Störsender eingesetzt werden, einen problemlosen Frequenzwechsel. Auch lassen sich Sprach- und Datenübertragung kombinieren.<BR>Der Unterschied in der Praxis: Während bei Digitaltechnik der Name eines Gesuchten oder eine Autonummer eingetippt wird, muss der analog funkende Polizist buchstabieren und dabei auch gegen die notorisch verrauschte Sprachübertragung ankämpfen.</P><P>Tetra hat ein Revier in Deutschland markiert</P><P>Es sind nicht nur die Kosten - zwischen drei und sieben Milliarden Euro werden geschätzt -, die den digitalen Polizei- und Behördenfunk in Deutschland ausbremsen. Es  gibt auch Streit zwischen Bund und Ländern über die Verteilung dieser Kosten. Darüber hinaus verfolgen die einzelnen Länder unterschiedliche industriepolitische Interessen. So neigen die Süd-Länder dem Tetrapol-Konsortium zu. Bei diesem nämlich sind mit EADS-Telekom (Ulm) und Siemens (München) zwei heimische Konzerne im Boot. In Nordrhein-Westfalen dagegen setzt man auf Tetra, wo mit T-Systems eine Tochter der Bonner Telekom mitmischt. </P><P>Und als Dritter im Kampf um künftige Milliarden gilt GSM-BOS 900 um den Mobilfunkbetreiber Vodafone, der auf der vorhandenen Technologie des eigenen Mobilfunknetzes aufbauen will und in den dadurch niedrigen Kosten  einen für viele Länder wichtigen Verbündeten hat.<BR>Allerdings erfüllt die Billig-Variante des Behördenfunks eine Reihe von technischen Kriterien nicht, ergab eine Studie von Dialog-Consult. Vor allem müssen sich die Behörden bei dieser Technologie die Kapazitäten der Funknetze mit privaten Handy-Nutzern teilen. Außerdem erscheint den Forschern die Ausfallsicherheit von GSM-BOS zu gering.</P><P>Auch bei den Kosten sind nach der Studie die Kostenvorteile nicht von langer Dauer. Bereits 2014 hätten demnach die Kosten der Vodafone-Lösung die von Tetrapol überholt. Tetra aber bleibt langfristig die teuerste Lösung. Dafür hat dieses Konsortium bereits ein Revier auf deutschem Boden markiert: Obwohl ein entsprechender Tetra-Pilotversuch im Raum Aachen bereits erfolgreich abgeschlossen wurde, wird die Technik von den dortigen Beamten weiter genutzt.<BR></P>

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