Porsche übernimmt Kontrolle beim Autoriesen Volkswagen

- Porsche übernimmt endgültig die Kontrolle bei Volkswagen: Der Sportwagenbauer stockt seinen Anteil am deutlich größeren VW-Konzern für knapp eine Milliarde Euro auf 31 Prozent auf, wie das Unternehmen bekannt gab. Die Mehrheit werde vorerst aber nicht angestrebt, wie ein Sprecher des Stuttgarter Unternehmens betonte.

Der Vorstandschef von Porsche, Wendelin Wiedeking, will mit dem Aktienkauf eine Zerschlagung von Europas größtem Autobauer verhindern. "Wenn ein Hedge-Fonds VW in seine Einzelteile aufteilt und an die Börse bringen würde, könnten wir unseren wichtigsten Partner verlieren", sagte Wiedeking der "Bild"-Zeitung. "Eine solche Zerschlagung dürfen wir nicht zulassen. Deshalb haben wir gehandelt."

Laut Aktienrecht muss Porsche mit der Übernahme der Kontrolle zwar allen anderen VW-Aktionären ein Pflichtangebot machen. Die Offerte liegt mit knapp 101 Euro pro VW-Stammaktie allerdings deutlich unter dem Schlusskurs vom Freitag von mehr als 117 Euro. Porsche rechnet daher nicht damit, dass viele Anteilseigner das Angebot annehmen werden und Porsche so zum Mehrheitseigner wird. Falls unerwartet doch alle VW-Aktionäre ihre Anteile einreichen würden, kämen Kosten von 35 Milliarden Euro auf Porsche zu. Laut "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hat sich das Unternehmen bei Banken dafür eine Kreditlinie gesichert.

Bisher liegt der Porsche-Anteil bei VW bei 27,3 Prozent. Eine Option über 3,7 Prozent soll am heutigen Montag ausgeübt werden, um auf 31 Prozent und damit auf die Kontrollmehrheit zu kommen, wie der Aufsichtsrat beschloss. Hintergrund ist laut Porsche der erwartete Fall des VW-Gesetzes (siehe Kasten), das die Stimmrechte eines Aktionärs unabhängig von seinem Anteil auf 20 Prozent begrenzt. Nach dem Wegfall des Gesetzes hätten Porsche und Niedersachsen zusammen einen Anteil von über 50 Prozent an VW und könnten damit Übernahmeversuche abwehren. VW begrüßte den Porsche-Vorstoß: "Eine stabile Aktionärsstruktur ist für das langfristig angelegte Automobilgeschäft sehr wichtig", sagte Vorstandschef Martin Winterkorn.

Porsche will nach Ansicht von Firmenkennern mit der Aufstockung bis zur VW-Hauptversammlung am 19. April in Hamburg endgültig klarstellen, wer bei VW das Sagen hat. Bei dem Treffen soll VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Großaktionär Ferdinand Piëch wiedergewählt werden. Piëch gilt als Antrieb hinter dem 2005 begonnenen Porsche-Engagement bei VW. Er ist der Enkel von Porsche-Gründer und VW-Käfer-Konstrukteur Ferdinand Porsche und führte VW zehn Jahre, ehe er 2002 den Aufsichtsratsvorsitz übernahm.

Porsche begründet den Einstieg bei VW unter anderem auch mit daraus resultierenden Vorteilen bei der Entwicklung und Produktion. Denn beide Unternehmen kooperieren bei vielen Projekten: So wurden etwa die Geländewagen Cayenne und Touareg gemeinsam konstruiert, die Konzerne arbeiten zusammen an einem Hybridmotor und einer neuen Elektronik, die Karosserie des geplanten Porsche-Viertürers Panamera soll VW in Hannover bauen.

"Porsche ist der festen Überzeugung, dass eine engere Anbindung von VW durch eine Beteiligungsaufstockung auf mehr als 30 Prozent der Volkswagen-Stammaktien für beide Partner Vorteile bringt, ohne die Identität von Porsche zu verwässern oder gar zu gefährden", teilte das Unternehmen mit.

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