Weniger Testosteron

Porsche: Neue Farben, kein Leder - So will der Sportwagen-Bauer jetzt Frauen locken

  • Jonas Raab
    vonJonas Raab
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Bei Porsche brummt das Geschäft. Doch die Schwaben wollen mehr und schrecken dabei auch vor radikalen Maßnahmen nicht zurück.

Zuffenhausen - Porsches Vertriebsvorstand Detlev von Platen hat gut lachen: In den ersten drei Monaten des Jahres hat der Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen 71.986 Fahrzeuge und damit gut ein Drittel mehr als im Vorjahresquartal an den Mann gebracht. Jetzt will von Platen mit Porsche auch die Frauenwelt erobern, kündigt eine neue Strategie an und versucht sich am sprachlichen Spagat zwischen Klischee und Porsches Männer-Realität.

Frauen machen lediglich 13 Prozent von Porsches Kundschaft aus – zumindest in Deutschland. In den USA ist ein Viertel aller Porsche-Fahrer weiblich, in China geht fast jeder zweite Porsche an eine Frau. „Frozen Berry“ soll das jetzt ändern. Weckt sommerliche Eisdielengefühle, ist allerdings Porsches neues Farb-Zuckerl für Frauen. Der Ton liegt irgendwo zwischen Hellgrau, Altrosa und Pink. Er ist eine von 700 verfügbaren Optionen.

Porsche: Neue Farben ja, Frauen-Modelle nein: „Widerspricht unserer Philosophie“

„Wir wollen mehr Frauen als Kunden gewinnen“, kündigte von Platen im Handelsblatt an. Deshalb biete man im Elektro-Porsche Taycan inzwischen auch eine lederfreie Ausstattung an. Vielen Kundinnen sei diese Option wichtig, weil sie sich mehr für Nachhaltigkeit interessieren würden als Männer, sagt er sinngemäß.

Spezielle Frauen-Modelle planen die Zuffenhausener nicht. „Das widerspricht unserer Philosophie, die generell Träume erfüllen möchte“, sagt von Platen. Wessen Träume er damit genau meint, erklärt er nicht, wiederholt dafür aber nochmal sein Bekenntnis: „Wir wollen stärker auf die Lebenswelt und die Wünsche von Frauen eingehen. In der Kommunikation legen wir Wert auf die hohe Qualität der Produkte.“ Design, Komfort und Individualisierungsmöglichkeiten seien Frauen besonders wichtig.

Porsche will mehr weibliche Käufer: Vertriebsvorstand geizt nicht mit Klischees

Seine Aussagen stützt von Platen auf Marktforschungsdaten von Porsche. Die haben unter anderem ergeben: „Performance setzen erfolgreiche Frauen zwar voraus, sind dabei aber oft weniger in die technischen Details verliebt als Männer.“ Dafür sei die Bedienbarkeit eines Fahrzeugs für Frauen ein wichtiger Aspekt ist, erklärt von Platen. „Für Männer ist dieser Punkt weniger entscheidend.“ Im Taycan setze Porsche deshalb bewusster auf Themen wie Sprachsteuerung oder ein intuitives Display.

Markenexpertin Gabi Lück sagt im Handelsblatt, die Variationsmöglichkeiten bei Porsche würden in die richtige Richtung gehen. „Aber ob ,Frozen Berry‘ die richtige Farbe ist, wage ich zu bezweifeln“. Trotzdem gibt Lück von Platen in manchen Punkten recht. „Bei Frauen kommt es auf die Ansprache an. Sie interessieren sich nicht so sehr für die Zehntelstelle hinter dem Komma bei der Beschleunigung von null auf 100 Stundenkilometer.“ Wichtiger sei für Frauen, dass das Auto gerade wegen seiner Beschleunigungswerte zusätzliche Sicherheit biete, etwa beim Einfädeln auf der Autobahnauffahrt oder beim Spurwechsel, ohne dabei ins Schleudern zu kommen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Justin Lane

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