Porsche will allein am Steuer sitzen

Wolfsburg/Stuttgart - Volkswagen soll nach einer Übernahme durch Porsche nicht im Vorstand der geplanten Porsche Holding vertreten sein. Das sagte Porsche-Finanzchef Holger Härter der "Automobilwoche". VW würde in der Porsche Holding aufgehen, wenn der Sportwagenbauer wie allgemein erwartet nach dem Fall des VW-Gesetzes die Mehrheit übernimmt.

Der Einzug eines Managers von Europas größtem Autobauer in den Holding-Vorstand wäre möglich gewesen, sagte Härter. Aber Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und er fühlten sich im Augenblick auch so wohl. Letztendlich müsse dies jedoch vom Aufsichtsrat entschieden werden. Unterdessen wehrte sich VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh gegen Vorwürfe, falsche Angaben im Streit um die künftige Mitbestimmung gemacht zu haben.

"Spiegel" und "Focus" hatten berichtet, Osterloh sei entgegen seinen Äußerungen vorab über die geplante Verteilung der Arbeitnehmer-Sitze im Holding-Aufsichtsrat informiert gewesen und habe ihr auch zugestimmt. Osterloh dementierte am Samstag: Weder der Konzernbetriebsrat, noch einer seiner Vertreter hätten zu irgendeinem Zeitpunkt der von Wiedeking und dem Porsche-Betriebsratsvorsitzenden Uwe Hück unterzeichneten "Mitbestimmungsvereinbarung" zugestimmt. "Es ist schlichtweg unwahr, dass wir am 11. Juni Struktur und Inhalt der Vereinbarung als sachgerecht bezeichnet hätten. Das behauptete Gesprächsprotokoll haben wir nie gesehen, geschweige denn unterschrieben."

In dem Mitbestimmungsstreit geht es im Kern darum, dass sich der VW-Betriebsrat in der geplanten Porsche Holding unterrepräsentiert fühlt. Unter anderem stört sich Osterloh daran, dass der Porsche-Belegschaft ein Veto-Recht bei der Kündigung der Mitbestimmungs-Vereinbarung zustehen soll. Dies werde dem Größenunterschied zwischen 12 000 Porsche-Mitarbeitern und den 324 000 VW-Beschäftigten nicht gerecht. Im Aufsichtsrat der Porsche Holding sind sowohl für Porsche als auch für VW drei Arbeitnehmersitze vorgesehen. Osterloh hatte deutlich gemacht, dass darüber nicht gestritten werde. Diese Regelung sei im Beisein von IG-Metall-Vizechef Berthold Huber besprochen worden. "Im Übrigen haben wir die Verteilung der Aufsichtsratsmandate in der jüngsten Diskussion nicht in Frage gestellt."

"Spiegel" und "Focus" berichteten, dem VW-Betriebsrat habe vorab der komplette Vertragsentwurf für die Mitbestimmungsrechte vorgelegen. Dem "Spiegel" zufolge wirft Hück Osterloh vor, "von Beginn an eingeweiht" gewesen zu sein. So hätten er, der IG-Metall Vizechef Berthold Huber und Osterloh die Regelungen am 11. Juni diskutiert. In der Folgezeit sei mehrmals mit dem VW-Betriebsrat in der Frage telefoniert worden und noch am 20. Juni habe er einen Änderungswunsch Osterlohs durchgesetzt. Der Vertrag sei erst am 22. Juni unterzeichnet worden. Laut "Focus" hat sich Osterloh am 11. Juni auch mit Wiedeking und Härter getroffen.

Am 11. Juni sei es lediglich um Grundzüge der Mitbestimmung in der Porsche Holding gegangen, teilte der VW-Betriebsrat mit. Der Vertragsentwurf sei von Hück informell an den VW-Betriebsrat gesandt worden. Allerdings sei dies so kurzfristig geschehen, dass keine eingehende rechtliche Prüfung vorgenommen werden konnte, bevor Porsche-Betriebsrat, Porsche-Vorstand und die IG Metall Stuttgart ihn unterzeichnet hätten, hieß es.

In das Zusammenrücken von VW und Porsche könnte schon bald Bewegung kommen: Der Europäische Gerichtshof will am 23. Oktober über die Rechtmäßigkeit des fast 50 Jahre alten VW-Gesetzes urteilen, das die Stimmrechte bei dem Autobauer auf 20 Prozent beschränkt.

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