Porsche-Chef sauer: "Wer regiert uns eigentlich?"

- Leipzig - Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche bleibt auf Wachstumskurs. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres verdiente der Konzern nach vorläufigen Zahlen vor Steuern 207 Mio. Euro, wie Vorstandschef Wendelin Wiedeking der Hauptversammlung in Leipzig erklärte. Das entspreche einer Steigerung um 11,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, sagte Wiedeking - und holte dann zum Schlag gegen die Politik aus.

<P>Nach Steuern blieben 118 Millionen übrig. Der Konzernumsatz kletterte um 28 Prozent auf rund 2,82 Milliarden Euro. Der Absatz wuchs um ein Drittel auf 32 410 Fahrzeuge: darunter 10 250 der 911er-Modelle, 5250 Boxster und 16 890 Cayenne. Im Gesamtgeschäftsjahr will Wiedeking rund 75 000 Flitzer loswerden. Auch bei Umsatz und Gewinn wird weiteres Wachstum erwartet.<BR>Heftige Kritik übte Wiedeking am föderalen System Deutschlands. Es habe nach dem Krieg Berechtigung gehabt, weil es politischen Machtmissbrauch verhindert habe. Mittlerweile scheine es aber Teil des Problems zu sein: "Wer regiert eigentlich das Land, wenn fast jede Entscheidung des Bundestags im Bundesrat blockiert oder verwässert wird", fragte der Porsche-Lenker. Er forderte eine Reform des Zwei-Kammer-Systems. Dabei sollte den Ländern mehr Kompetenz auch bei Steuern gegeben werden. Dagegen forderte er, die Mitsprache der Länder bei der Bundesgesetzgebung einzuschränken. Kommunen dürften bei der Ländergesetzgebung auch nicht mitmischen.</P><P>Auf Nachfrage von Aktionären äußerte sich Wiedeking zu Spekulationen über eine vierte Fahrzeug-Baureihe. "Wir wissen, dass wir etwas machen müssen, wenn wir weiter wachsen wollen", so der Porsche-Chef. Bisher sei aber noch nicht entschieden, ob das Unternehmen neben der 911er-Reihe, den Boxstern und den Cayenne ein weiteres Fahrzeugsegment abdecken werde. Die vorhandenen Baureihen würden weiter entwickelt, über eine neue Reihe denke man noch nach.</P><P>Noch einmal verteidigte Wiedeking die Entscheidung, auf Subventionen in Höhe von 50 Millionen Euro für den Bau des Werks in Leipzig zu verzichten. "Luxus und Stütze, das passt nicht zusammen", unterstrich er. Das Unternehmen habe durch den Verzicht einen Riesenimagegewinn gehabt. Das sei mehr wert als Subventionen.</P><P>Porsche hofft unterdessen, auf Grundlage von EU-Entscheidungen wieder in einen führenden deutschen Aktienindex zurückzukehren, sobald die von Wiedeking verhassten Quartalsberichte nicht mehr verpflichtend sind.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Stada-Übernahme durch Finanzinvestoren gescheitert
Die Übernahme von Stada durch Bain und Cinven ist geplatzt. Für den Deal verfehlten die Finanzinvestoren knapp die erforderliche Zustimmung der Aktionäre. Die Aktie …
Stada-Übernahme durch Finanzinvestoren gescheitert
Zehn Euro für "gebührenfreies" Girokonto?
Bad Homburg/Stuttgart (dpa) - Die Wettbewerbszentrale geht erneut gegen aus ihrer Sicht irreführende Werbung einer Bank vor.
Zehn Euro für "gebührenfreies" Girokonto?
Dax startet mit leichtem Plus in die Woche
Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Montagnachmittag merklich an Schwung verloren und sein zwischenzeitlich klares Plus mehr als halbiert. Der Dax …
Dax startet mit leichtem Plus in die Woche
Mehr als halbe Milliarde Dollar: BMW investiert in US-Werk Spartanburg
BMW plant große Investitionen in sein Werk im US-Bundesstaat South Carolina. Rund eine halbe Milliarde US-Dollar sollen in den Standort Spartanburg fließen.
Mehr als halbe Milliarde Dollar: BMW investiert in US-Werk Spartanburg

Kommentare