Der Porsche-Coup: Harmonie bei vollen Kassen

- Stuttgart - Der Coup war typisch für Wendelin Wiedeking: Bei der Bekanntgabe über die Einigung auf Grundzüge einer Standortsicherung bei Porsche hatte der Vorstandschef des Stuttgarter Sportwagenbauers den Bundeskanzler zu Gast. Aber auch der nicht weniger selbstbewusste Betriebsratschef Uwe Hück wusste die Anwesenheit seines Duzfreundes Gerhard Schröder (SPD) zu nutzen. In einer in der deutschen Wirtschaft heute seltenen Eintracht und mit viel Lob füreinander verkündeten Hück und Wiedeking vor den begeisterten Mitarbeitern die Standortsicherung bis 2010.

Sozialpartnerschaft lebt sich natürlich leicht, wenn die Kassen voll sind: Porsche gilt mit einer Umsatzrendite von 17 Prozent als einer der profitabelsten Autobauer der Welt. So schätzt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer die Einigung bei Porsche denn auch eher als "Kosmetik nach außen" ein. Die neuen Modelle 911 und Boxster seien gerade erst auf den Markt gekommen, sodass der Standort Zuffenhausen ohnehin länger als bis 2010 ausgelastet sei. Als Erklärung dafür, warum das Werk Leipzig nicht in den Beschäftigungspakt aufgenommen wurde, hieß es bei Porsche, dort werde "schon bis zum Anschlag" gearbeitet. Auch die vierte Baureihe werde mit Sicherheit dort produziert.An anderen Standorten der deutschen Automobilindustrie dürfte man mit Neid nach Stuttgart blicken. Vor elf Monaten hatten sich die Tarifparteien bei Daimler-Chrysler, dem großen Nachbarn von Porsche, auf eine Beschäftigungssicherung für 160 000 Beschäftigte bis 2012 geeinigt - allerdings mit den gewohnten Ritualen wie Warnstreiks und nächtlichem Verhandlungsmarathon. Bei Porsche ging es dagegen bislang geräuschlos ab. Selbst wenn es jetzt beim Feinschliff für die Vereinbarungen noch zu Differenzen käme, sind die Grundzüge festgezurrt.Die deutsche Automobilindustrie und ihre Zulieferer sind nicht durchgängig von Umsatzrückgängen und Kostenproblemen gebeutelt. BMW etwa oder Audi freuen sich über Verkaufsrekorde, bei Mercedes-Benz und Volkswagen dagegen gibt es Absatz- und Ertragsprobleme. Das Thema Standortsicherung ist jedoch unabhängig von der jeweiligen wirtschaftlichen Lage angesichts der Globalisierung ein Dauerthema der Branche. So wird bei VW zurzeit hart um ein Schichtmodell für die Mitarbeiter im Wolfsburger Stammwerk gerungen und ein Sparprogramm nach dem anderen aufgelegt. Bei Audi dagegen einigte man sich im vergangenen April unspektakulär auf die Beschäftigungssicherung für 45 000 Autobauer in Ingolstadt und Neckarsulm. Beim lange defizitären Autobauer Opel dagegen wird nach dramatischen Auseinandersetzungen in den drei Werken Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern mit rund 9500 Jobs etwa jede dritte Stelle gestrichen.

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