Porsche-Einstieg bei VW: Bafin prüft, Anleger strafen Aktie ab

- Wolfsburg - Der geplante Einstieg des Sportwagenbauers Porsche bei Volkswagen wird die Börsenaufsicht Bafin beschäftigen. Die Behörde werde den starken Kursanstieg der VW-Aktie in der vergangenen Woche zunächst routinemäßig untersuchen, sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die Porsche-Aktie wurde gestern an der Börse abgestraft. Das Unternehmen verlor im Tagesverlauf eine Milliarde Euro an Marktwert.

Die Bafin will außerdem prüfen, ob Porsche zu spät in einer Pflichtmitteilung über den Übernahmeplan informiert hat. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte bereits am Samstagabend vorab von dem Porsche-Coup berichtet. Der Konzern selbst veröffentlichte am Sonntagmorgen eine Ad-hoc-Mitteilung.

Die Börse quittierte den geplanten Deal gestern mit einem Kurssturz der Porsche-Aktie von zeitweise über zehn Prozent. Im Handelsverlauf am Vormittag war der Kurs bis auf 598 Euro abgesackt. Die VW-Aktie gab um 0,48 Prozent auf 51,61 Euro nach.

Aktionärsschützer bewerten den geplanten Einstieg des Sportwagenbauers Porsche für Volkswagen positiv. "Die Anleger profitieren zum einen durch die günstige Kursentwicklung. Zum anderen ist nun ein Großaktionär im Boot, der dem angestoßenen Prozess der Veränderung bei VW noch mehr Dynamik verleiht", sagte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jürgen Kurz. Porsche werde starken Druck ausüben, damit VW wieder gute Gewinne erwirtschaftet.

Für Porsche sei der Einstieg auf Grund der bisherigen Zusammenarbeit strategisch eine richtige Entscheidung. Die Beteiligung könne für Porsche eventuell etwas zu teuer werden. Auch sei noch offen, welche Aktien Porsche denn kaufen wolle. Einen möglichen Interessenkonflikt sieht Kurz beim VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Pië¨ch, der als Großaktionär bei Porsche aktiv ist.

Auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK) hält den geplanten Einstieg von Porsche bei VW bei langfristiger Betrachtung für begrüßenswert. "Ich denke, dass das langfristig von Vorteil ist für beide Unternehmen", sagte Klaus Schneider von der SDK in München. Wer vor dem Hintergrund des absehbaren Endes des VW-Gesetzes gehofft habe, kurzfristige Gewinnmitnahmen im Falle einer Zerschlagung von VW realisieren zu können, dürfte zwar enttäuscht werden, sagte Schneider. Ebenso könnte es Anlegern ergehen, die kurzfristig auf einen Aktienrückkauf bei Porsche gesetzt hätten. Grundsätzlich hält Schneider aber eine VW-Beteiligung für eine "vernünftige Verwendung von Mitteln", die einer Absicherung der Unternehmen dienen könne.

Volkswagen will auch nach einem Porsche-Einstieg den harten Sparkurs nicht aufweichen. "Es läuft alles weiter wie bisher", betonte ein VW-Sprecher. Bei Volkswagen stehen auf Grund vergleichsweise hoher Kosten und Überkapazitäten derzeit alle Unternehmensbereiche auf dem Prüfstand. Erst am Freitag hatte VW mitgeteilt, es werde ein Verkauf, ein Börsengang oder ein Ausbau der Töchter Europcar und Gedas geprüft.

Porsche will mit 20 Prozent größter VW-Aktionär werden. Nach aktuellem Börsenkurs würden 20 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien mehr als drei Milliarden Euro kosten. Derzeit halten die Stuttgarter weniger als fünf Prozent. Analysten halten es jedoch für denkbar, dass Porsche über Partner indirekt doch bereits VW-Aktien aus dem Streubesitz erworben hat. Nach Informationen aus Branchenkreisen strebt Porsche keine Überkreuzbeteiligung an. Diese Variante sei äußerst unwahrscheinlich, hieß es.

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