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Frank Appel, Postchef, will die Herausforderung Internet annehmen und elektronische Briefe sicher machen.

Porto bleibt mindestens zwei Jahre stabil

München - Die Deutsche Post leidet unter einem schrumpfenden heimischen Briefmarkt und will den Sprung ins Internetzeitalter schaffen. Dazu äußerte sich Post-Vorstandschef Frank Appel im Interview.

-Der klassische Brief gehörte lange Zeit zur Alltagskultur – wird das in Zeiten des Internets und der elektronischen Kommunikation bald vorbei sein?

Nein, der Brief wird auch weiterhin zur Alltagskultur gehören. Aber unsere Kunden nutzen immer mehr das Internet und E-Mails. Das führt wesentlich zu geringeren Sendungsmengen. Der klassische Brief wird aber nicht ganz verschwinden. Es stellt sich für unser Unternehmen aber die Internet-Herausforderung.

-Schreiben Sie denn selbst noch Briefe?

Aber ja, jede Menge. Gerade jetzt an Weihnachten verschicke ich viele persönliche Briefe.

-Was tun Sie, um sich der Internet-Herausforderung zu stellen?

Wir wollen den Wandel aktiv mitgestalten. Wir arbeiten daran, unser Kerngeschäftsmodell, den Brief und das Briefgeheimnis, in die virtuelle Welt zu übertragen. Die Post bietet mit ihrer Erfahrung auch die beste Garantie für eine vertrauliche und verbindliche Informationsübermittlung im Internet. Die Kunden glauben uns zu Recht, dass wir Briefe nicht öffnen. Das wird auch beim Online-Brief der Fall sein. Man wird auch zuverlässig wissen, wer der Absender ist, da es eine verlässliche Registrierung unserer Kunden geben wird.

-Dieser Internet-Brief soll ja im ersten Halbjahr 2010 kommen. Wer soll ihn nutzen?

Das Angebot richtet sich sowohl an Geschäftskunden wie etwa Versicherungen oder Behörden, wie auch Privatkunden. Die Privatkunden sind Empfänger von Behörden- oder Geschäftspost und sollen auch zukünftig vertrauliche Inhalte zum Beispiel an ihre Bank oder ihren Arzt mit dem Brief im Internet versenden können.

- Beim Brief haben Sie bisher kaum Möglichkeiten, den Rückgang der Sendungen über höhere Preise aufzufangen. Das liegt daran, dass die Netzagentur das Briefporto genehmigen muss und die Regelungen fast keinen Spielraum lassen. Muss sich das nicht ändern?

In der Tat ist das normale Briefporto seit 12 Jahren nicht mehr erhöht worden. Und das, obwohl wir signifikante Steigerungen etwa bei Personal-, Treibstoff- und Fahrzeugkosten hatten. Aber wir unterliegen hier eben der Preisregulierung. Daran ist auch kurzfristig nichts zu ändern, da die Festlegungen noch bis Ende 2011 gelten. Daher wird es auf absehbare Zeit wohl auch keine Portoerhöhungen geben. Auf längere Sicht müsste man aber über andere Preismodelle nachdenken.

-Ein faktisches Monopol waren bisher ja auch die Post-Filialen. Vor 15 Jahren hatte sie noch 21 000 Filialen mit eigenem Personal. Heute sind es nur noch wenige Hundert. Und bis Ende 2011 soll es keine einzige solche Filiale mehr geben. Halten Sie daran fest?

Ja, das wird beendet wie geplant. Aber wir haben auch heute noch rund 14 000 Filialen und mehrere tausend weitere feste Standorte für Postdienstleistungen, auch wenn sie nicht mehr mit eigenem Personal betrieben werden.

-Verärgern Sie mit Ihrer schrittweise überall erfolgten Filial-Verlagerung in Schreibwarenläden oder Bäckereien nicht Ihre Kunden?

Im Gegenteil. Die Übergabe an solche Partner bringt dem Kunden vor allem längere Öffnungszeiten. Und auch der Service ist dort nicht schlechter als früher in unseren eigenen Filialen. Letzten Endes interessiert den Kunden nicht die Eigentümerstruktur.

-Thema Zustellung: Nach dem Test mit ausgedünnter Zustellung im Sommer wurde spekuliert, dass die Post aus Kostengründen künftig womöglich nur noch an fünf Tagen zustellen könnte. Kommt das auf die Kunden zu?

Die Post ist in Deutschland als Universaldienstleister zu einer Sechs-Tage-Zustellung verpflichtet. Auch wenn es nach EU-Vorgaben nur fünf Tage sein müssten, gilt diese nationale Regelung für uns. Kurzfristig sehe ich hier keinen Handlungsbedarf.

Interview: Edgar Bauer

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