Porträt: René Obermann gilt als Problemlöser

- Bonn - Der neue Telekom-Chef René Obermann gilt als ein Problemlöser. So erkannte er als Chef der Mobilfunksparte T-Mobile schon früh die Abschwächung des deutschen Marktes und leitete ein milliardenschweres Sparprogramm ein.

Zwar mussten mehrere hundert Mitarbeiter gehen - ohne Obermanns frühes Eingreifen wären nach Einschätzung von Experten aber noch weiter reichende Einschnitte nötig gewesen, um eine Schieflage von T-Mobile zu vermeiden. Mit der Berufung an die Konzernspitze warten nun neue Aufgaben auf den 43- Jährigen.

Obermanns wichtigste Aufgabe wird sein, die Wende im deutschen Festnetzgeschäft zu schaffen - seit Jahresbeginn wechselten 1,5 Millionen Kunden zur Konkurrenz. Den Aderlass wollte schon Ricke mit neuen Bündeltarifen unterbinden. Allerdings kamen die neuen Tarife Jahre zu spät, meinen Experten. Mit der Berufung von Obermann an die Konzernspitze erwarten sie nun, dass "mehr Zug" in die Unternehmensführung kommt. Als der Manager vor vier Jahren die Führung von Ricke als T-Mobile-Chef übernahm, schmiedete er den Mobilfunkarm zu eine Einheit. Zuvor agierten die zusammengekauften Auslandstöchter von T-Mobile unabhängig und oft unter ihrem alten Namen. "Die Sachen, die Ricke schleifen ließ, boxt Obermann schnell durch", sagt ein Insider.

Ein Königsmörder soll Obermann aber nicht sein. "Die beiden verbindet eine jahrelange Freundschaft", sagt der Eingeweihte. Die Entscheidungen von Ricke hatte der T-Mobile-Chef immer mitgetragen. "Zwischen die beiden passt kein Stück Papier." Obermann sei aber auch Profi genug, um nun die Chance für den Aufstieg an die Konzernspitze zu nutzen.

Obermann ist Unternehmer durch und durch. Sein Studium der Volkswirtschaft brach er nach dem Vordiplom ab, um im schnell wachsenden Telefongeschäft selbstständig aktiv zu werden. Die von ihm gegründete Firma ABC Telekom verkaufte er an den asiatischen Mischkonzern Hutchison Whampoa.

Ricke machte Obermann dann im Jahr 1998 zum Vertriebschef von T- Mobile Deutschland. Schnell rückte er in der Hierarchie der Telekom-Tochter auf. Dem entscheidungsfreudigen Manager half dabei seine einnehmende Art, die ihm den Respekt der Arbeitnehmerseite eintrug. "Obermann ist hart in der Sache, dabei aber immer fair", sagt ein Betriebsrat.

Wie Ricke sucht Obermann nicht die Öffentlichkeit. Allerdings stellt sich Obermann den unbequemen Fragen der Medien, während Ricke sich gerne hinter Floskeln verbarg. "Obermann sucht die Öffentlichkeit nur, wenn sei bei der Lösung von Problemen hilfreich ist", sagt ein Insider. Die für seinen Job nötige Härte trainierte sich der gebürtige Düsseldorfer beim Eishockey an. Seine Karriere beim Krefelder Eishockey-Club KEV gab er zu Gunsten seines beruflichen Erfolges auf. Obermann ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

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