Post buhlt um Investoren

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Frankfurt (dpa) - Im Versuch ihrer lange dümpelnden Aktie Auftrieb zu verleihen buhlt die Deutsche Post mit einer neuen Kapitalmarktstrategie um das Vertrauen des Marktes. Die Bonner erfüllen lang gestellte Forderungen von Anlegern und richten sich stärker nach den Wünschen der Anleger aus.

"Wir werden einen Reihe von langfristigen Maßnahmen vornehmen, die dabei helfen sollen, die Profitabilität zu verbessern, mehr Cash zu generieren, unsere Aktionäre stärker am Unternehmenserfolg teilhaben zu lassen und die Transparenz zu erhöhen", sagte Post-Chef Klaus Zumwinkel am Donnerstag in Frankfurt.

An der Börse wurde der Richtungswechsel mit einem erheblichen Kursgewinn honoriert. Die Post-Aktie legte bis zum frühen Nachmittag um 2,86 Prozent auf 20,83 Euro zu und setzte sich damit in die Spitzengruppe im DAX, der mit 0,41 Prozent im Plus lag. "Die Grundidee lautet, Sparpotenzial auszuschöpfen, Vermögenswerte außerhalb des Kerngeschäfts zu verkaufen, um das Geld in den Gewinn zu stecken und an die Aktionäre auszuschütten", sagte Jacqueline Lerique von BNP Paribas.

Allein mit einem spartenübergreifenden Programm will die Post sich verschlanken und brach liegende Werte freisetzen. Bis Ende 2009 wollen die Bonner damit eine Milliarde Euro einsparen. Zudem versucht die Post, 700 Millionen Euro aus dem Nettoumlaufvermögen abzuzapfen. Eine weitere Milliarde Euro soll der Verkauf von Immobilien und anderen nichtstrategischen Vermögenswerten einbringen und an die Aktionäre ausgeschüttet werden. "Wenn das Geld da ist, werden wir entscheiden, welche Form das annimmt", sagte Finanzvorstand John Allan am Donnerstag bei einer Telefonkonferenz. Denkbar seien Aktienrückkäufe oder eine Sonderdividende.

Mit Blick auf die nächsten fünf Jahre verspricht Allan sogar eine Verdopplung der Ausschüttung. Nach 3,2 Milliarden Euro in den vergangenen fünf Jahren sollen in den nächsten fünf Jahren 6,4 bis 6,6 Milliarden Euro gezahlt werden. Für dieses Jahr soll die Dividende von 75 auf 90 Cent zulegen. Danach peilt die Post jährlich eine zehn prozentige Steigerung an.

Neben der Ankündigung von Verkäufen und höheren Dividenden stellt Post-Chef Zumwinkel auch höhere Gewinne in Aussicht. Für das Gesamtjahr hob die Post das Ziel für den Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von mindestens 3,6 Milliarden auf rund 3,7 Milliarden Euro an. Für das kommende Jahr gab die Post ein EBIT-Ziel von 4,2 Milliarden Euro aus. Dabei soll die Briefsparte mit 1,9 Milliarden Euro weiterhin den Löwenanteil des EBIT stellen. Das Expressgeschäft soll 650 Millionen Euro beitragen, die Logistiksparte 1,05 Milliarden Euro. Mit Finanzdienstleistungen will die Post 2008 einen EBIT-Beitrag von 1,15 Milliarden Euro erzielen.

Für 2009 senkte die Post allerdings das EBIT-Ziel von 5,2 auf 4,7 Milliarden Euro. Wegen verschlechterter volkswirtschaftlicher Bedingungen sei die Erholung des defizitären amerikanischen Expressgeschäfts zum Stillstand gekommen. Die Post verabschiedet sich daher von dem Ziel, mit diesem Geschäft bis 2009 schwarzen Zahlen zu schreiben. Einen neuen Termin für die ersten Gewinne in dieser Sparte nannte die Post nicht. Sicher ist, die Bonner betrachten die amerikanische Expresssparte als strategische Aktivität und halten an dem amerikanischen Verlustbringer fest.

Neben der sogenannten "Roadmap to value" stellte die Post auch die Quartalszahlen vor. Im dritten Quartal stieg der Umsatz dank guter Geschäfte in den Sparten Express, Logistik und Finanzdienstleistungen von 14,893 auf 15,638 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern, dem wichtigsten Kennwert für das operative Geschäft, schrumpfte von 1,030 Milliarden auf 841 Millionen Euro. Unterm Strich sank der Überschuss von 539 auf 350 Millionen Euro, verglichen mit der Prognose von 451,5 Millionen Euro. Der erwartete Gewinnrückgang ergibt sich aus positiven Einmaleffekten im Vorjahresquartal. Damals hatte die Post durch Verkäufe mehrere hundert Millionen Euro eingestrichen.

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