Post-Warnstreiks: Millionen Sendungen bleiben liegen

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Karlsruhe/Stuttgart (dpa) - Im Tarifstreit bei der Deutschen Post hat die Gewerkschaft ver.di ihre Warnstreiks den dritten Tag in Folge fortgesetzt. Schwerpunkt war am Donnerstag der Südwesten.

In Baden-Württemberg gingen fast alle Brief- und Paketzusteller in den Ausstand. Rund acht Millionen Briefe und Pakete seien nicht zugestellt worden, sagte ein Sprecher des ver.di-Landesbezirks Baden-Württemberg. Ein Sprecher der Post erklärte, es seien deutlich weniger Briefe und Pakete liegengeblieben. Etwa vier von fünf Sendungen seien bei den Haushalten angekommen. Die Post-Zusteller protestieren gegen eine Verlängerung ihrer Arbeitszeit und fordern unter anderem eine Beschäftigungssicherung.

Nach Gewerkschaftsangaben traten im Saarland etwa 200 Mitarbeiter in den Ausstand, in Rheinland-Pfalz 415, davon 85 Auszubildende. Demnach wurden in diesen beiden Bundesländern insgesamt 420 000 Briefe und 20 000 Pakete nicht zugestellt.

Ver.di forderte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) auf, in den Tarifkonflikt einzugreifen. Die Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 41 Stunden vernichte rund 5000 Arbeitsplätze, stellte die Gewerkschaft fest. Das Finanzministerium solle sich nicht zum Steigbügelhalter einer Politik machen, die Arbeitsplätze vernichte, sagte die ver.di-Vizevorsitzende Andrea Kocsis in Berlin. Am Mittwoch hatte ver.di bereits in Bayern und Frankfurt/Main gestreikt, am Dienstag in 14 Großstädten und Ballungsräumen.

Im Großraum Stuttgart wurden Briefe und Pakete nach ver.di-Angaben normal ausgeliefert. Dort hatten bereits am Dienstag mehr als 500 Brief- und Paketzusteller ihre Arbeit niedergelegt. Am Donnerstag kamen Angaben der Gewerkschaft zufolge mehr als 2000 Brief- und Paketzusteller in Mannheim, Heilbronn, Reutlingen, Karlsruhe, Freiburg, Göppingen, Ravensburg, Ulm und Rottweil zu Kundgebungen und Demonstrationen zusammen. Insgesamt arbeiten nach Schätzungen der Post rund 15 000 Tarifbeschäftigte im Südwesten bei dem Unternehmen.

Ein Post-Sprecher sagte, alle Postfächer in Baden-Württemberg seien bedient worden. Auch ein Großteil der Sonderfahrten für Geschäftskunden hätten erledigt werden können. "Wir gehen davon aus, dass wir am Freitag alle Sendungen, die am Donnerstag liegengeblieben sind, zustellen können." Bundesweit verteilt die Post pro Tag rund 70 Millionen Briefe.

ver.di verhandelt mit der Deutschen Post bislang ohne Ergebnis über Beschäftigungssicherung, Arbeitszeit und Löhne. Der Tarifvertrag zum Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen für die bundesweit 130 000 Tarifbeschäftigten der Deutschen Post AG lief Ende März aus, ebenso die Regelung, wonach für die 55 000 Post-Beamten eine 38,5-Stunden-Woche gilt. Ver.di will den Kündigungsschutz bis 2011 erhalten und eine höhere Wochenarbeitszeit für Beamte verhindern. Bis zum nächsten Verhandlungstermin am 9. April muss bundesweit mit weiteren Streikmaßnahmen gerechnet werden.

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