Postbank: Warum die Großen auf das Geld der "Kleinen" schielen

- Frankfurt - Ob der Branchenprimus die Postbank kauft oder nicht: Die Deutsche Bank ist längst auf dem Weg zurück in die Zukunft. Sowohl das vor wenigen Jahren als lästiger Kostenfaktor empfundene Geschäft mit Privatkunden als auch der heimische Markt sind wieder interessant.

<P>"Eine starke Position in unserem Heimatmarkt ist uns sehr wichtig", sagte Bankchef Josef Ackermann vor kurzem. "Der Ausbau des Privatkunden- und Vermögensverwaltungsgeschäfts hat für uns immer noch erste Priorität." Mit den 11,5 Millionen Kunden der Postbank könnte die Deutsche Bank das klassische Privatkundengeschäft wieder entdecken. "Das hat eine neue Qualität", sagt Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz. "Bisher hat sich die Deutsche Bank auf gehobene Privatkunden konzentriert. Jetzt will sie ins Massengeschäft einsteigen." Dennoch wird damit gerechnet, dass die Deutsche Bank die Marke Postbank beibehalten würde.<BR><BR>Mit 1,8 Bankprodukten pro Kunde gilt die Klientel der auch "Aldi"-Bank genannten Postbank als unterversorgt und bietet großes Potenzial. "Das passt gut, die Postbank-Kunden könnten diese Vielfalt im Angebot nutzen", sagt Bankenexperte Wolfgang Gerke. Er sieht eine strategische "Rückorientierung" der Deutschen Bank. So könnte das Institut mit der Übernahme der Postbank seine Kundenbasis mehr als verdoppeln. </P><P>Bislang hat der blaue Riese 8,5 Millionen Privatkunden. "Angestrebt ist ein Anteil von 60 Prozent im Investmentbanking und 40 Prozent im Privatkundengeschäft", sagt Bankchef Ackermann (bisher sind es 75 zu 25). Berichte, dass es wegen Ackermanns ablehnender Haltung zu einer Postbank-Übernahme zum Zerwürfnis zwischen Vorstand und Aufsichtsrat gekommen sei, dementierte die Bank. Auch seien keine Gespräche mit potenziellen Nachfolgern geführt worden.<BR><BR>Auch mit der Übernahme der Postbank würde die Deutsche Bank an der führenden Position der Sparkassen im Privatkundengeschäft nichts ändern können. Zusammengerechnet kommen die vier Großbanken heute zum Beispiel bei den klassischen Spareinlagen nur auf einen Marktanteil von 4,5 Prozent, die Postbank bringt es auf 6,5 Prozent. Zum Vergleich: Die Sparkassen verwalten 50,8 Prozent.<BR><BR>Was die Spitzen der Deutschen Bank heute als schlüssiges Konzept darstellen, ist das Ergebnis eines langjährigen schmerzhaften Lernprozesses. Ende der 80er-Jahre übernahm Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper kurz nach seinem Amtsantritt die britische Investmentbank Morgan Grenfell. Nachfolger Rolf Breuer baute das internationale Geschäft unter anderem durch den Erwerb von Bankers Trust 1999 aus.<BR><BR>Im Investmentbanking zählt die Deutsche Bank inzwischen zu den führenden Finanzhäusern. Stark ist sie vor allem in dem von Anshu Jain verantworteten Zinsgeschäft. Der 40-jährige Inder soll 2003 ein Vielfaches des Gehalts von Ackermann erhalten haben.<BR><BR>Ende der 1990er-Jahre stand sogar die Trennung von Großteilen des Privatkundengeschäfts zur Diskussion. "Mit diesem Zickzackkurs und der Konzentration auf das Investmentgeschäft hat die Deutsche Bank viele Kontoinhaber verschreckt", sagt ein Analyst. Die Entscheidung von 1999, Privatkunden in die ausgegliederte "Deutsche Bank 24" zu verschieben, hat das Institut inzwischen längst wieder rückgängig gemacht.<BR></P>

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