Postboten sollen auch am Sonntag kommen

Test: - Bonn - Der forcierte Wettbewerb mit dem nahenden Fall des Monopols bringt den Briefmarkt auf Trab und sorgt für eine historische Neuerung: Erstmals will die Deutsche Post ihre Zusteller auch an Sonntagen an die Haustüren schicken. Zunächst soll der neue Service mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" als Test starten.

Abonnenten des Magazins - auch das ist eine Premiere - sollen damit in den Genuss kommen, am arbeitsfreien Tag schon mal das Blatt lesen zu können, das bislang erst am Montag kam. Kein Thema für den Sonntag sind bisher Privatpost und andere normale Sendungen wie Rechnungen.

Beim "Spiegel" soll es aber für die Post nicht bleiben. Auch andere Magazine, Sonntagszeitungen oder Kataloge mit Hinweisen auf neue Sortimente in einem Kaufhaus könnten künftig auch am Sonntag im Briefkasten landen. Die Sendungen müssten einen "aktuellen Bezug" haben, erläuterte Post-Sprecher Uwe Bensien. Anders sei eine Zustellung als Ausnahmeregelung vom Arbeitsrecht mit dem arbeitsfreien Sonntag nicht möglich. Auch richte sich das Angebot nur an Geschäftskunden.

Postboten sollen den "Spiegel" erstmals am 3. Juni in Düsseldorf und am 19. August in Hamburg zwischen 0700 und 1100 Uhr zu den Lesern bringen. Ausgetragen werden sollen die Sendungen nach Angaben von Bensien nicht von den Stammbriefträgern, sondern von Zusatzkräften in der gelben Post-Uniform, die als "Entlastungs- und Abrufkräfte" auch sonst einspringen, wenn Not am Mann ist.

Das Pilotprojekt soll laut Bensien in beiden Städten drei Monate laufen. Dann werde ausgewertet und eine Ausweitung des Angebots möglicherweise auch für andere "aktuelle Sendungen" geprüft. "Es ist noch zu früh zu sagen, ob dies dann auch flächendeckend oder in ausgewählten Regionen sein könnte". Es gebe bei Geschäftskunden bereits weitere Anfragen für die Sonntags-Zustellung. Namen wollte er nicht nennen. "Es gibt Gespräche mit verschiedenen Unternehmen."

Unter den Medien haben bislang nur FAZ und Springer Verlag einen eigenen Vertrieb am Sonntag. Bei der FAZ ist eine Zustellung in ländlichen Regionen an potenzielle Abonnenten zum Teil nicht möglich, weil es an Zustellern fehlt. Die Kooperation zwischen Post und Verlagen dürfte teilweise auch heikel sein, da sich einige Verlage inzwischen selbst im Briefgeschäft engagieren.

Die Post setzt bei den neuen Herausforderungen im Wettbewerb nach ihrem öffentlichen Lamento über angebliche Dumpinglöhne bei Konkurrenten und Drohungen über eine Einschränkung unrentabler Angebote jetzt auf Offensive. Eine Markenkampagne soll ihren zuletzt durch Angebotseinschränkungen wie Filialschließungen angekratzten Qualitätsanspruch in den nächsten Monaten ins Licht rücken.

"Der Trend bei der Post geht nicht zu weniger, sondern ganz klar zu mehr Service und Kundennähe", sagte Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel. Noch vor kurzem hatte er mit Blick auf das Ende 2007 bevorstehende Aus des Briefmonopols sogar mit dem Gedanken gespielt, auch die Samstags-Zustellung auf den Prüfstand zu stellen. Davon will Zumwinkel nichts mehr wissen. Auch dem so genannten Universaldienst, dem Grundangebot für die Bürger, sehe sich die Post weiter verpflichtet, machte der Post-Chef deutlich. Es könne sogar kundennah ausgebaut werden - etwa mit neuen kleinen Annahmestellen.

Bei den ambitionierten Hauptkonkurrenten der Post im deutschen Briefmarkt, der von einer Verlegergruppe mit Springer, WAZ und Holtzbrinck getragenen PIN Group und TNT Post Deutschland wurde die Initiative des Platzhirschen (rund 92 Prozent Marktanteil) aufmerksam zur Kenntnis genommen. PIN-Chef Günter Thiel sagte: "Wir werden die Entwicklung im Markt der Sonntags-Zustellung genau verfolgen und wenn sich hier ein interessantes Potenzial zeigt, werden wir als größter Mitbewerber der Deutschen Post den Kundenbedürfnissen selbstverständlich Rechnung tragen." Von TNT hieß es, zur eigenen Strategie sage man erst dann etwas, wenn es spruchreif ist. Offenbar ist die Post hier schon einen Schritt weiter als die Konkurrenz.

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