In Bayern bleiben viele Briefkästen leer

Postboten-Streik: Das müssen Sie wissen

München – Viele Post-Kunden haben in den vergangenen beiden Tagen vergeblich auf Briefe, Päckchen und Pakete gewartet. Bei der Deutschen Post wird seit Mittwoch gestreikt. Hier die wichtigsten Antworten:

Zunächst legten die Briefträger ihre Arbeit nieder, jetzt sind die Mitarbeiter in den Briefzentren dran. Auch in den kommenden Tagen werden viele Briefkästen leer bleiben – auch in Bayern. Wer betroffen ist und was es jetzt zu beachten gilt. Die wichtigsten Antworten.

Wo wird gestreikt?

Am Mittwoch haben bundesweit tausende Briefträger die Arbeit niedergelegt. Schwerpunkte waren städtische Ballungsgebiete. In Bayern war zunächst nur der Raum Nürnberg betroffen. Gestern nahmen die Briefträger ihre Arbeit wieder auf. Allerdings ruhte vielerorts der Betrieb in Briefzentren. Betroffen waren zunächst Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen. Am Nachmittag traten schließlich auch die Postmitarbeiter in bayerischen Briefzentren in den Ausstand.

Welche Regionen in Bayern sind betroffen?

Die Warnstreiks fanden zum Teil bis heute Morgen in fünf der 14 bayerischen Briefzentren statt: München, Freising, Bayreuth, Amberg und Landshut. Matthias Knüttel von der Gewerkschaft Verdi rechnete gestern damit, dass alle rund 600 Beschäftigten die Arbeit niederlegen werden. Die Ausstände begannen am Nachmittag und endeten – je nach Briefzentrum – in den Abendstunden oder heute am frühen Morgen.

Welche Auswirkungen haben die Streiks auf die Postzustellung?

In den Einzugsgebieten der Briefzentren München, Freising, Bayreuth, Amberg und Landshut werden die Briefkästen heute vielerorts leer bleiben – auch wenn die Briefzusteller unterwegs sind. In den Briefzentren werden vorwiegend in den Abendstunden und nachts Briefe sortiert. „Wenn hier die Arbeit ruht, macht sich das in den Folgetagen bei den Kunden bemerkbar“, erklärt Verdi-Sprecher Jan Jurczyk. Im Briefzentrum München endete der Warnstreik gestern gegen 21 Uhr – alle Briefe, die von der Nachtschicht bis 24 Uhr bearbeitet werden konnten, werden heute zugestellt. In Freising ruhte die Arbeit dagegen bis morgens um 6 Uhr. Hier bleiben heute wohl alle Briefkästen leer. „Wir gehen davon aus, dass mehrere hunderttausend Sendungen unbearbeitet liegen bleiben“, schätzt Knüttel.

Sind auch Päckchen und Pakete betroffen?

Nein. Päckchen und Pakete werden gesondert in Paketzentren der Post bearbeitet.

Mit welcher Verzögerung müssen Kunden in Bayern jetzt rechnen?

„Wir haben Notfallpläne, setzen Abrufkräfte und Servicepartner ein“, sagt Klaus-Dieter Nawrath, Pressesprecher der Deutschen Post in Bayern. So sollen die Auswirkungen der Warnstreiks abgemildert werden. „Die Masse der Postsendungen kommt pünktlich an“, versichert Nawrath. Es könne aber vereinzelt zu Verzögerungen von ein bis zwei Werktagen kommen. In den Bereichen, die nicht bestreikt werden, läuft die Zustellung wie gewohnt. Insgesamt stellt die Deutsche Post jeden Tag im Schnitt mehr als 60 Millionen Briefe und Pakete zu.

Wie erfahre ich als Kunde, ob meine Postsendung betroffen ist?

Die Deutsche Post hat dazu unter 02 28/76 36 76 50 ein Infotelefon eingerichtet. Die Nummer ist Montag bis Freitag von 7 bis 20 Uhr zum Ortstarif erreichbar, samstags von 8 bis 14 Uhr.

Was passiert, wenn ein wichtiger Brief streikbedingt nicht rechtzeitig ankommt?

Verspätet sich die Zustellung eines wichtigen Briefs – zum Beispiel ein Kündigungsschreiben für einen Handyvertrag – streikbedingt, hat der Absender keinen Schadenersatzanspruch gegenüber der Deutschen Post. „Für die rechtzeitige Zustellung ist der Absender zuständig“, sagt Tatjana Halm, Juristin bei der Verbraucherzentrale Bayern. „Hier Schadenersatzansprüche durchzusetzen, wäre schwer.“ Halm rät deshalb zu Alternativen, zum Beispiel vorab ein Fax zu schicken.

Warum wird bei der Deutschen Post eigentlich gestreikt?

Momentan laufen die Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Post und der Gewerkschaft Verdi. Für die rund 132 000 Tarifbeschäftigten fordert Verdi sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 140 Euro mehr im Monat. Außerdem sollen die Auszubildenden monatlich 65 Euro mehr verdienen. Bislang legte die Deutsche Post noch kein Angebot vor. Die zweite Tarifrunde ist am Montag ergebnislos zu Ende gegangen. „Den Postlern reicht’s mit der Hinhaltepolitik“, sagt Anton Hirtreiter, Landesfachbereichsleiter Postdienste von Verdi Bayern. Verdi will nun mit Warnstreiks den Druck auf die Post erhöhen.

Wie viel verdienen Postboten?

Der durchschnittliche Stundenlohn eines Briefzustellers in Deutschland liegt momentan laut Verdi zwischen 11,13 und 14,53 Euro. Sortierer in Brief- und Paketzentren verdienen im Schnitt zwischen 10,57 und 13,35 Euro.

Wie geht es weiter?

Am 25. April kommen die Parteien erneut zu Verhandlungen zusammen. Bis dahin kann es laut Verdi-Sprecher Jurczyk zu weiteren Warnstreiks kommen. Verdi kündigt Ort und Zeit der Arbeitniederlegungen nicht an. So kann sich die Post nicht auf die Warnstreiks vorbereiten.

Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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