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Die Streiks bei der Post gehen weiter.

Auch Zusteller machen mit

Poststreik: Was passiert mit Briefen und Paketen?

Berlin/Bonn - Nun rücken auch Briefträger und Paketboten ins Zentrum der Poststreiks. Der Ausstand dürfte immer mehr Kunden treffen.

Die Gewerkschaft Verdi weitet ihre Streiks bei der Post aus. Nachdem der Ausstand zum Wochenanfang in den Briefverteilzentren begann, sollen jetzt Schritt für Schritt Briefträger und Paketboten eingebunden werden. Millionen Sendungen dürften erst verspätet bei den Empfängern ankommen.

Betroffen seien ausgesuchte Orte der Niederlassungen Köln, Düsseldorf, Dortmund, Herford, Bonn, Duisburg, Münster, Essen, Hagen und Siegen, wo rund tausend Zusteller die Arbeit niederlegen sollten. Dadurch könnten voraussichtlich Millionen Sendungen nicht bearbeitet und zugestellt werden. Weiter hieß es, der "rücksichtslose Umgang der Konzernleitung mit den Beschäftigten" führe zu einem Imageverlust der Post, den wiederum die Beschäftigten bei ihren Kundenkontakten auszubaden hätten.

Auch in mehreren hessischen Regionen wurden die Brief- und Paketzusteller zum Streik aufgerufen. Betroffen sind unter anderem Frankfurt am Main, Kassel und Fulda, wie Verdi Hessen mitteilte.

Andrea Kocsis, Verdi-Verhandlungsführerin und Vize-Chefaufseherin des Bonner Konzerns, sagte der Oldenburger „Nordwest-Zeitung“ (Mittwoch), der Ausstand werde fortgesetzt, solange sich das Unternehmen nicht bewege.

Am Dienstag waren nach Gewerkschaftsangaben rund 8000 Beschäftigte in den Streik getreten. Dabei blieben nach Angaben der Post rund 7 Millionen Briefsendungen oder 11 Prozent aller Sendungen liegen. Nach Angaben des Unternehmens vom Mittwoch beteiligten sich bundesweit 11.000 Beschäftigte an dem Ausstand. Verdi sprach dagegen von 14.500 Postlern, darunter 6500 Zusteller, die sich inzwischen im Dauerstreik befinden. Die Auswirkungen für die Postkunden habe der Konzern aber in Grenzen halten können, erklärte das Unternehmen. So würden 88 Prozent der Briefsendungen und 93 Prozent aller verschickten Pakete ihre Empfänger pünktlich erreichen.

Hintergrund des Tarifkonflikts ist die Ausgründung von 49 regionalen Paketgesellschaften. Verdi sieht darin einen Bruch bestehender Vereinbarungen mit dem Management. In diesen Unternehmen arbeiten bereits mehr als 6000 Paketboten, die nicht nach dem Haustarif der Post bezahlt, sondern nach den niedrigeren Tarifen der Logistikbranche. Verdi will erreichen, dass sie tariflich unter das Dach der Post zurückkehren.

Das passiert mit ihren Briefsendungen und Paketen:

Sie wollen Briefe aufgeben und haben Bedenken, ob sie ankommen? Die Deutsche Post/DHL informiert auf ihrer Homepage über die Folgen des Streiks für Kunden:

  • Die Post erfährt von Verdi nicht vorher, wann und wo gestreikt wird. Deswegen kann sie nur kurzfristig auf Streiks reagieren.
  • Wie lange die Streiks andauern, ist noch unklar.´
  • Dort, wo gestreikt wird, versucht die Post Ersatzpersonal einzusetzen, um die Verzögerungen im Versand gering zu halten.
  • Verzögerungen können ein bis zwei Tage dauern. Liegen gebliebene Sendungen sollen schnellstmöglich nachbearbeitet werden.
  • Express-Paketsendungen sind von den Streiks nicht betroffen.
  • Auf ihrer Homepage bieten Post und DHL den Kunden an, mögliche Verzögerungen anhand der Postleitzahl zu erfragen: Postleitzahl von Absender oder Empfänger eingeben und Daten abfragen.
  • Die Post haftet nicht, wenn Briefe oder Pakete streikbedingt zu spät zugestellt werden. Streik gilt juristisch als "höhere Gewalt", weshalb die Post für eventuelle Verzögerungen nicht haftbar gemacht werden kann.

Ruf der deutschen Wirtschaft in Gefahr?

Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer sieht den Ruf der deutschen Wirtschaft durch die vielen Streiks in Gefahr. Vor allem in ehemaligen Staatsbetrieben oder früher öffentlich finanzierten Unternehmen wie der Post seien die Gewerkschaften oft gar nicht an einer raschen Lösung von Tarifkonflikten interessiert, sagte der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der „Passauer Neuen Presse“ (Mittwoch): „In diesen Bereichen gibt es leider aufseiten der Gewerkschaften immer noch keine ausgeprägte Verhandlungskultur.“

Zum laufenden Post-Streik und zum inzwischen in die Schlichtung eingetretenen Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL sagte er: „Es ist fatal, wenn die Zuverlässigkeit der deutschen Wirtschaft von unseren Kunden zukünftig schlechter bewertet wird. Deutschland wird plötzlich als Streikland wahrgenommen.“

Es gebe außerdem die Tendenz, dass Tarifverhandlungen instrumentalisiert werden, um andere Ziele als Lohnerhöhungen zu erreichen, sagte Kramer. Dies wird etwa der GDL in ihrer Abgrenzung zur größeren, konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft vorgeworfen.

dpa/AFP/wes

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