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Unbefristeter Streik bei der Post: Hintergrund des Tarifkonflikts ist die Ausgründung von 49 regionalen Paketgesellschaften. Foto: Fredrik von Erichsen

Poststreiks werden fortgesetzt

Nun rücken auch Briefträger und Paketboten ins Zentrum der Poststreiks. Der Ausstand dürfte immer mehr Kunden treffen.

Berlin/Bonn (dpa) - Die Gewerkschaft Verdi weitet ihre Streiks bei der Post aus. Nachdem der Ausstand zum Wochenanfang in den Briefverteilzentren begann, sollen jetzt Schritt für Schritt Briefträger und Paketboten eingebunden werden.

Millionen Sendungen dürften erst verspätet bei den Empfängern ankommen. Andrea Kocsis, Verdi-Verhandlungsführerin und Vize-Chefaufseherin des Bonner Konzerns, sagte der Oldenburger "Nordwest-Zeitung", der Ausstand werde fortgesetzt, solange sich das Unternehmen nicht bewege.

Am Dienstag waren nach Gewerkschaftsangaben rund 8000 Beschäftigte in den Streik getreten. Dabei blieben nach Angaben der Post rund 7 Millionen Briefsendungen oder 11 Prozent aller Sendungen liegen.

Hintergrund des Tarifkonflikts ist die Ausgründung von 49 regionalen Paketgesellschaften. Verdi sieht darin einen Bruch bestehender Vereinbarungen mit dem Management. In diesen Unternehmen arbeiten bereits mehr als 6000 Paketboten, die nicht nach dem Haustarif der Post bezahlt, sondern nach den niedrigeren Tarifen der Logistikbranche. Verdi will erreichen, dass sie tariflich unter das Dach der Post zurückkehren.

Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer sieht den Ruf der deutschen Wirtschaft durch die vielen Streiks in Gefahr. Vor allem in ehemaligen Staatsbetrieben oder früher öffentlich finanzierten Unternehmen wie der Post seien die Gewerkschaften oft gar nicht an einer raschen Lösung von Tarifkonflikten interessiert, sagte der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der "Passauer Neuen Presse" (Mittwoch): "In diesen Bereichen gibt es leider aufseiten der Gewerkschaften immer noch keine ausgeprägte Verhandlungskultur."

Zum laufenden Post-Streik und zum inzwischen in die Schlichtung eingetretenen Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL sagte er: "Es ist fatal, wenn die Zuverlässigkeit der deutschen Wirtschaft von unseren Kunden zukünftig schlechter bewertet wird. Deutschland wird plötzlich als Streikland wahrgenommen."

Es gebe außerdem die Tendenz, dass Tarifverhandlungen instrumentalisiert werden, um andere Ziele als Lohnerhöhungen zu erreichen, sagte Kramer. Dies wird etwa der GDL in ihrer Abgrenzung zur größeren, konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft vorgeworfen.

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