Prag lockt deutsche Investoren mit Komplettservice ins Land

- Prag - Viele deutsche Firmen sind den Schritt über die östliche Grenze schon gegangen. Weitere werden folgen. Die staatliche Agentur Czech Invest tut alles dazu, um deutschen Unternehmen den Start in der Tschechischen Republik zu erleichtern. Dass dabei unzulässige Mittel eingesetzt würden - wie es im Fall der Verlagerung von Siemens VDO gewesen sein soll - bestreitet Robert Pilous, Marketing Manager von Czech Invest. "Das System der Förderung ist transparent", sagt er.

Und er wirbt mit Standortvorteilen, die nicht allein aus den deutlich niedrigeren Löhnen der Tschechen bestehen. Die im Übrigen stetig gestiegen sind und aller Voraussicht nach auch weiter anziehen werden. Dazu zählten die industrielle Infrastruktur und das Vorhandensein von gut ausgebildeten Menschen.Durchschnittlich verdient ein Arbeiter, etwa bei Skoda, um die 16 000, 17 000 Kronen monatlich, das sind zirka 550 bis 600 Euro im Monat, ein Polizist kommt auf 1000 Euro, ein Arzt oder Professor an einer staatlichen Institution bringt es auf 1300 Euro, ein Banker auf 1800 Euro. Die Lohnnebenkosten betragen 35 Prozent - ohne Deckelung."Eine Chefsekretärin bei einem internationalen Unternehmen in Prag kann mehr als ein Professor verdienen", sagt Konrad M. Scharinger, Ständiger Vertreter des deutschen Botschafters an der Moldau. Die Arbeitslosigkeit liegt bei knapp über neun Prozent. In der Hauptstadt Prag herrscht mit unter vier Prozent quasi Vollbeschäftigung.Czech Invest (www.czechinvest.org) unterhält ein Büro in Köln, im August/September soll ein weiteres in München hinzukommen. Neben der Hilfe bei der Planung von Investitionen und dem kompletten Projektmanagement stellt die Agentur ausländischen Investoren Datenbanken von Gewerbeimmobilien und einheimischen Zulieferern zur Verfügung. Sie berät bei der Vermittlung von Investitionsanreizen und hilft die Anträge dazu zu stellen. Etwa ein Drittel der ausländischen Direktinvestitionen in Tschechien stammt aus Deutschland.Den bisherigen Transfer von Arbeitsplätzen nennt Pilous "nicht massiv". "Billige Arbeitsplätze gehen in fünf oder zehn Jahren nach Osten, die können wir in Zukunft nicht halten, genauso wie Deutschland sie nicht halten kann."Über 2000 deutsche Firmen sind schon in Tschechien tätig. Laut Scharinger werden 75 Prozent der tschechischen Exporte von Unternehmen hergestellt, die in Auslandsbesitz sind. Deutschland ist mit ganz großem Abstand der wichtigste Handelspartner für das 10-Millionen-Volk. 36 Prozent der tschechischen Exporte gehen nach Deutschland, 31 Prozent der Importe kommen von hier. Nächstgrößter Handelspartner ist die frühere Teilrepublik Slowakei mit 8,5 bzw. 5,4 Prozent Anteil an den Aus- und Einfuhren.Die Wirtschaft ist weitestgehend privatisiert. Große Ausnahme ist der regulierte Wohnungsmarkt mit sehr niedrigen Mieten. "An den wagt sich keiner dran", so der deutsche Gesandte. Ansonsten gehe es der tschechischen Wirtschaft so gut wie in den letzten 50 Jahren nicht.

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