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Praktiker muss massive Kürzungen im Personalbereich vornehmen.

Praktiker fährt harten Sanierungskurs

Kirkel - "Alles außer Reformen" schien die Firmendevise der Baumarktkette Praktiker für lange Zeit gewesen zu sein. Nun jedoch, wird kräftig saniert. Warum der Chef-Aufräumer genau der Richtige für den Job ist:

Der neue Vorstandschef der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker saniert das Unternehmen mit harter Hand. Thomas Fox streicht jede zweite Stelle in der Verwaltung, schließt die Zentrale im saarländischen Kirkel, drückt die Mieten und dampft die Produktpalette ein. Derzeit arbeiten in den Zentralen der beiden Ketten Praktiker und Max Bahr noch über 900 Mitarbeiter. In der künftig zusammengelegten Zentrale in Hamburg sollten es nur noch 450 sein, erklärte Fox am Freitag in einer Telefonkonferenz.

Die Kosten für die Verwaltung in den Zentralen lägen derzeit bei acht Prozent der Gesamtausgaben, sagte der bekannte Sanierungsexperte Fox. In der Branche seien vier Prozent üblich, deshalb wolle er den Aufwand möglichst schnell auf dieses Niveau drücken.

Insgesamt sollen 1.400 Vollzeitstellen wegfallen und etwa 30 der weltweit 438 Filialen geschlossen werden, sagte Fox weiter. Die Zahl der betroffenen Mitarbeiter werde höher sein, weil darunter etliche Teilzeitangestellte seien. Fox wollte sich noch nicht auf die Filialen festlegen, die geschlossen werden sollen. Zunächst versuchten die Manager, die Mieten an den Verlust bringenden Standorten zu drücken. Alles in allem sollten 100 Millionen Euro eingespart werden.

Fox fügte hinzu, dass er 300 Millionen Euro für die Umstrukturierung benötige. Die Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern liefen, Details wollte er aber auch auf Nachfrage nicht nennen. Das Geld sei für die Abfindung entlassener Mitarbeiter, Standortschließungen und die Verlegung der Konzernzentrale vorgesehen, aber auch für neue Werbekonzepte, um das Unternehmen wieder profitabel zu machen. “Man kann ein Unternehmen immer aus der Krise sparen, aber nicht zum Erfolg“, sagte Fox.

Zwei Vorzeige-Filialen sollen entstehen

In einem ersten Schritt sollten zwei Praktiker-Filialen in Kaiserslautern und Heppenheim zu Vorzeigebaumärkten umgebaut werden, in denen neue Konzepte erprobt würden, sagte Fox weiter. Die alte Werbestrategie, 20 Prozent Rabatt auf alle Waren zu geben, sei nicht mehr tragfähig. “Das hat die Kunden dazu erzogen, nur dann einzukaufen, wenn es den Rabatt gibt“, sagte Fox. Er könne sich vorstellen, künftig Nachlass auf einzelne Artikel zu geben, aber nicht mehr pauschal auf alles.

In den vergangenen Jahren seien auch Service und Produktqualität vernachlässigt worden, sagte Fox. In diesen Punkten könne Praktiker von der Schwestermarke Max Bahr lernen. Die Max Bahr-Baumärkte waren bis zuletzt profitabel.

Das Angebot in den Praktiker-Märkten will Fox verringern. “In Zukunft warden sie keine Süßigkeiten oder Grußkarten mehr in den Läden finden.“ Die Marke Praktiker sei den Verbrauchern gut bekannt, das habe eine Studie ergeben.

Bis 2014 soll das Unternehmen Fox zufolge einen Vorsteuergewinn von ein bis zwei Prozent des Umsatzes machen. Das sei ein branchenüblicher Wert. Wegen der Filialschließungen werde der Umsatz erst einmal zurückgehen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Praktiker konzernweit einen Umsatz von 3,4 Milliarden Euro und einen Nachsteuerverlust von 33,6 Millionen Euro.

An der Börse konnten Praktiker-Aktien von der angekündigten Sanierung allerdings nicht profitieren: Der Kurs fiel am Freitag um mehr als 25 Prozent.

Fox sanierte bereits Karstadt

Fox gilt als einer der erfahrensten Sanierer in Deutschland. Er schreckt auch vor schwierigen Fällen nicht zurück. Den Chefposten bei Praktiker übernahm er am 1. Oktober. Unter anderem war er an den Sanierungen des Warenhauskonzerns Karstadt, der Drogeriekette Ihr Platz und des Möbelunternehmens Schieder beteiligt.

AP

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